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Alter und stark beanspruchter Kunstrasen: Regelmäßige Pflege und rechtzeitige Sanierung sind entscheidend für die Sicherheit.

Kunstrasenplätze unter Druck: Wer trägt Verantwortung für die Sicherheit?

Zwei Spielausfälle innerhalb weniger Tage wegen mangelhafter Kunstrasenplätze: Nach Wiesbaden und Walluf stellt sich die grundsätzliche Frage, wie es um den Zustand der Kunstrasenplätze im deutschen Amateurfußball bestellt ist. Denn auch Kunstrasen hält nicht ewig – und bei intensiver Nutzung können Pflege, Wartung und rechtzeitige Sanierung entscheidend für die Sicherheit der Spieler werden.

Zwei Spielausfälle innerhalb weniger Tage in Hessen lenken den Blick auf ein Problem, das viele Vereine und Kommunen betreffen könnte: alternde Kunstrasenplätze. Doch wie lange hält ein solcher Platz eigentlich – und wann wird aus Verschleiß ein Sicherheitsrisiko?

Kunstrasenplätze haben den Amateurfußball verändert. Sie sind weitgehend unabhängig von Witterung bespielbar, ermöglichen eine hohe Auslastung und bieten Vereinen gerade im Winter einen wichtigen Trainings- und Spielplatz. Entsprechend groß war in den vergangenen Jahren der Wunsch vieler Vereine und Kommunen nach einem eigenen Kunstrasen.

Doch auch Kunstrasen ist kein Platz für die Ewigkeit.

Hohe Belastung hinterlässt Spuren

Gerade stark genutzte Plätze werden über viele Jahre erheblich belastet. Training und Spiele finden teilweise an nahezu jedem Wochentag statt. Hinzu kommen Witterung, mechanische Belastungen und der natürliche Verschleiß des Materials.

Damit gewinnt die regelmäßige Pflege und Kontrolle an Bedeutung. Werden Schäden nicht rechtzeitig erkannt oder behoben, können sich beispielsweise Nähte lösen, einzelne Bereiche des Belags anheben oder andere Unebenheiten entstehen.

Der aktuelle Fall in Walluf zeigt, welche Konsequenzen das haben kann. Der Schiedsrichter gab den Platz vor der Verbandsliga-Partie gegen den FC Waldbrunn nicht frei. Nach Angaben von HFV-Schiedsrichterchef Klaus Holz waren im Sechzehnmeterbereich Stellen von zwei bis drei Metern anhebbar. Für ihn war der Spielausfall deshalb berechtigt.

Auch der unbeteiligte Schiedsrichter Christian Kroth kennt den Platz in Walluf. „Ich kenne den Platz. Der hat Sanierungsbedarf“, sagt er. Gleichzeitig sieht Kroth darin kein ausschließliches Wallufer Problem. Viele Kunstrasenplätze befänden sich inzwischen in einem schlechten Zustand. Für ihn ist das ein bundesweites Problem: „Es wurden Kunstrasenplätze gebaut und über die Zeit genutzt. Die Plätze sind echt oft Katastrophe. Egal wo. Deutschland ist eine Baustelle, so Kroth weiter.

Die hohe Belastung hinterlasse ihre Spuren. Entscheidend sei deshalb, dass die Plätze nicht nur gebaut, sondern auch dauerhaft gepflegt, kontrolliert und rechtzeitig saniert werden.

Nicht jeder alte Platz ist gefährlich

Dabei wäre es falsch, einen älteren Kunstrasenplatz automatisch als unsicher einzustufen. Das Baujahr allein sagt wenig über den tatsächlichen Zustand aus, wenn der Platz entsprechend seiner Nutzung regelmäßig gepflegt und gewartet wird und Schäden bei Bedarf umgehend repariert werden.

Entscheidend sind unter anderem die Intensität der Nutzung, die Qualität des ursprünglichen Systems, die Pflege und Wartung sowie bereits durchgeführte Reparaturen.

Genau deshalb stellt sich für Vereine und Kommunen eine wichtige Frage: Wird der Zustand des Platzes regelmäßig und fachgerecht überprüft – und wird bei erkennbaren Schäden rechtzeitig gehandelt?

Lebensdauer ist nicht gleich Garantiezeit

Wie lange ein Kunstrasen tatsächlich genutzt werden kann, lässt sich nicht pauschal mit einer einzigen Zahl beantworten. Je nach System, Belastung und Pflege können die Zeiträume unterschiedlich ausfallen. Angaben von etwa acht bis zehn Jahren werden häufig als Größenordnung für die Nutzungsdauer bestimmter Kunstrasensysteme genannt.

Wichtig ist dabei die Unterscheidung zwischen Garantie, erwarteter Nutzungsdauer und tatsächlicher Lebensdauer. Ein Platz wird nicht automatisch am zehnten Geburtstag unsicher. Umgekehrt kann ein stark beanspruchter Platz auch deutlich früher Probleme entwickeln.

Fünf Warnzeichen sollten aufmerksam machen

Vereine und Betreiber sollten deshalb insbesondere auf folgende Punkte achten:

  • gelöste oder offene Nähte
  • anhebbare oder hochstehende Bereiche
  • deutliche Unebenheiten
  • stark verschlissene oder fehlende Kunstrasenfasern
  • Probleme mit Unterbau, Verklebungen oder Entwässerung

Nicht jeder dieser Punkte bedeutet automatisch, dass ein Spiel abgesagt werden muss. Werden solche Schäden allerdings festgestellt, sollte der Platz fachgerecht überprüft und gegebenenfalls gesperrt werden.

Am Ende entscheidet die Sicherheit

Der Schiedsrichter kann weder eine Sanierung finanzieren noch den Zustand eines Platzes über Jahre hinweg überwachen. Seine Verantwortung beginnt am Spieltag: Ist der Platz sicher bespielbar oder nicht?

Die Fälle in Wiesbaden und Walluf zeigen, was passiert, wenn diese Frage mit Nein beantwortet wird. Spiele fallen aus, Mannschaften müssen umplanen, Vereine bleiben auf Kosten sitzen und Zuschauer reisen teilweise vergeblich an.

Das ist ärgerlich. Eine Verletzung aufgrund eines bekannten und vermeidbaren Platzmangels wäre allerdings weitaus schwerwiegender.

Kunstrasen ist eine wichtige Infrastruktur für den Amateurfußball. Aber auch ein Kunstrasenplatz braucht Pflege, Kontrolle und irgendwann eine Sanierung. Wer diese Kosten beim Bau nicht mitdenkt, verschiebt das Problem nur in die Zukunft.

Wer trägt eigentlich die Verantwortung?

Der Hinweis des unbeteiligten Schiedsrichters Ayhan Ühnal aus Duisburg wirft allerdings eine weitere Frage auf: Wo liegt die Verantwortung für die Platzqualität? Wenn ein Kunstrasenplatz neu gebaut, umgebaut oder saniert wird, muss es Kontroll- und Abnahmeverfahren geben. Es kann nicht die Aufgabe des Schiedsrichtergespanns sein, vor jedem Spiel grundsätzliche Mängel an einem Sportplatz aufzudecken.

Trotzdem gilt: Stellt ein Schiedsrichter am Spieltag einen sicherheitsrelevanten Mangel fest, muss er handeln. Gerade bei aufstehenden Nähten oder Rissen im Kunstrasen steht der Spielerschutz über der Frage, ob ein Spiel noch irgendwie durchgeführt werden kann.

Dass es sich möglicherweise nicht nur um Einzelfälle handelt, zeigen inzwischen weitere Berichte. Auch in Solingen gibt es Probleme mit einem beschädigten Kunstrasenplatz. Die Fälle sollten deshalb Anlass sein, grundsätzlich über die Kontrolle, Wartung und Sanierung solcher Plätze zu sprechen.

Platzkommissionen und Betreiber sind gefragt, bevor der Schiedsrichter gefragt ist. Der Schiedsrichter ist am Spieltag allerdings in der Verantwortung, seine Pflicht zu erfüllen. Ein Spiel trotz erkennbarer Verletzungsgefahr anzupfeifen, nur weil eine Neuansetzung schwierig ist, kann keine Lösung sein.

Kunstrasen ist eine wichtige Infrastruktur für den Amateurfußball. Aber auch ein Kunstrasenplatz braucht Pflege, Kontrolle und irgendwann eine Sanierung.

Die IG Schiedsrichter unterstützt die Sicherheitsentscheidung, die vom HFV-Schiedsrichterchef Klaus Holz als berechtigt bestätigt wurde, trotz Kosten für den gastgebenden Verein.

Dass ein Schiedsrichter bei sicherheitsrelevanten Mängeln nicht wegschauen kann, zeigt die Einschätzung von Klaus Holz, Schiedsrichter-Chef des Hessischen Fußball-Verbandes. Der in Rheingau wohnende HFV-Schirichef war in Walluf vor Ort und bezeichnete den Spielausfall als berechtigt. Im Sechzehnmeterbereich seien Stellen von zwei bis drei Metern anhebbar gewesen. „Es sind spielentscheidende Stellen betroffen“, wird Holz vom Wiesbadener Kurier zitiert.

Genau dafür trägt der Schiedsrichter am Spieltag Verantwortung: Nicht für die Sanierung des Platzes, aber dafür, ein Spiel bei erkennbarer Verletzungsgefahr nicht anzupfeifen.

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