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Riesen-Wirbel um Schiri-Geste bei Deutschland-Spiel

Kurz vor Anpfiff des Deutschland-Spiels gegen Curacao bei der WM 2026 schwenkte die TV-Regie in die VAR-Kabine. Dort sorgte der australische Support-VAR mit einer Geste für Aufsehen.

Die WM 2026 ist auch für die Videoschiedsrichter eine große Bühne, vor jedem Spiel schwenkt die TV-Regie kurz in die Weltmeisterschafts-Version des Kölner Kellers, wo die beiden Video-Assistenten sowie ein dritter Support-VAR ganz genau auf die Spiele blicken.

Während die Trios bislang immer nur verstohlen in die Kamera blickten, sorgte der dritte Mann beim Deutschland-Spiel gegen Curacao am Sonntag für großes Aufsehen mit einer Geste, die er in die Kamera zeigte.

Der Australier Shaun Evans (38) hielt Zeigefinger und Daumen der rechten Hand aufeinander, spreizte die weiteren Finger auffällig ab. Seit jeher gilt die Geste vor allem beim Tauchen als „Okay“-Zeichen unter Wasser, wo Handzeichen das entscheidende Mittel zur Kommunikation sind.

Gleichzeitig wird die Geste aber auch in der Neonazi-Szene als Teil der „White Power“-Bewegung genutzt, gewalttätige Rechtsextremisten hatten das Zeichen in diesem Zusammenhang schon in mehreren Fällen verwendet. Kein Wunder also, dass in den sozialen Netzwerken umgehend über den Referee und seine Geste diskutiert wurde.

„Hat der VAR gerade das ,White Power‘- Handzeichen gemacht??“, fragte ein User bei X – und war damit längst nicht der Einzige. „Ähm – White Power-Zeichen beim Schiedsrichter grad?“, hieß es in einem anderen Beitrag.

Ein User legte sich sogar fest und schrieb: „Genau das Gleiche gedacht und nur deshalb das erste Mal seit Jahren wieder auf X gegangen. Hoffe, das hat Konsequenzen, weil kann mir niemand erzählen, dass das eine natürliche Haltung der Hand sei.“

Auch dem internationalen Publikum fiel die Geste auf, so fragte eine Userin etwa auf Portugiesisch, ob sie das Zeichen gerade richtig gedeutet habe. Ein Fußball-Fan aus Schweden fragte beim Kurznachrichtendienst ebenfalls irritiert nach den Eindrücken anderer Zuschauer.

Evans, der in seiner Heimat bislang knapp 200 Erstliga-Spiele geleitet hat, konnte während des Spiels logischerweise nicht für Aufklärung sorgen. Mit welchem Hintergrund der Australier die Geste bei der TV-Schalte gezeigt hatte, blieb zunächst unklar.

Die Spekulationen kochten entsprechend hoch und fanden in etlichen ungläubigen Nachrichten bei Social Media Ausdruck. Gut möglich, dass der Aufreger jetzt auch noch ein Thema für die Fifa wird.

Wir ordnen die Situation kurz ein

Im Alltag von Video-Assistenten wird diese Geste hinter den Kulissen oder auf Monitoren schlicht als nonverbales „Alles in Ordnung“ (Okay) genutzt.

​Wenn die Funkverbindung steht oder ein technischer Check abgeschlossen ist, bestätigen Schiedsrichter und Techniker sich gegenseitig kurz und visuell, dass alles läuft.

​Es handelt sich hierbei um eine universelle, internationale Geste für „Bestätigt“ oder „Passt“, wie sie auch beim Tauchen oder im Militär genutzt wird, um in lauten Umgebungen oder bei Fokus auf den Monitor schnell zu kommunizieren.

Der Kontext der „White Power“-Symbolik

hat die Geste eine problematische Doppelbedeutung bekommen: ​Ursprünglich als harmloser Scherz oder Troll-Aktion auf Online-Plattformen gestartet, um Medien zu provozieren, wurde das Zeichen ab ca. 2017 tatsächlich von Teilen der rechtsextremen Szene adaptiert (wobei die drei gestreckten Finger das „W“ und der Kreis mit dem Handgelenk das „P“ für White Power darstellen sollen)

Wie ist das Zeichen in diesem Zusammenhang zu Werten?

Bei der Bewertung solcher Gesten im Profisport gilt die goldene Regel: Kontext und Absicht sind entscheidend. Organisationen wie die FIFA oder die Anti-Defamation League (ADL) betonen ausdrücklich, dass das Zeichen nach wie vor in den allermeisten Fällen seine traditionelle, völlig harmlose Bedeutung („Okay“) hat.

​Da Schiedsrichter in einem hochgradig überwachten, multikulturellen Umfeld arbeiten und im ständigen Austausch mit Regie und Technik stehen, wird eine solche Geste in diesem Arbeitsumfeld standardmäßig als rein technisches oder kommunikatives Auf-Distanz-Signal („Alles okay / Verstanden“) gewertet. Eine extremistische Absicht liegt ohne zusätzliche eindeutige Indizien im Kontext eines Fußballspiels nicht vor.

Dieser Beitrag hat 11 Kommentare

  1. Elke Klingel

    Deswegen versteckt der das auch an seinem Bein. Wenn ich klar kommunizieren möchte, dass alles ok ist mit der Verbindung, dann zeige ich das ok Zeichen direkt in die Kamera. Und wo ist denn das ok der anderen VAR?

    1. Reiner Kuhn

      Ja, ist schon alles sehr verdächtig.

  2. Thomas Bierl

    Das ist mir nicht aufgefallen. Ist mir auch egal. Und wenn es das offizielle „OK“-Zeichen ist, dann ist doch gut. Wie kann denn daraus nur so ein Theater werden.

    Da faxen Müller und Klopp im TV herum (ihr wisst schon, dieses „noch“ bezüglich des Bundestrainers und seiner Aufstellungen) und im „Doppelpass“ wird darüber gefühlt eine Stunde diskutiert. Lachen darf man jetzt auch nicht mehr im Fußball.

    Werden denn jetzt alle wahnsinnig? Oder ist für Quote jetzt wirklich jedes Mittel recht?

  3. Markus Agiu

    Mir ist das Zeichen auch aufgefallen, da der Schiri es sehr lange hielt und erst als alle sich den Monitoren widmeten er eindeutig damit abrupt aufhörte. Hab es aber als „Alles i. O.“ interpretiert. Jetzt weis ich aber das es auch als White Power Geste genutzt wird, aber solange ich nichts anderes höre, denke ich, war es nur ein Zeichen an die Regie das alles okay ist.

  4. Jüdische Volksfront

    Thomas … halt´s Maul.

  5. Karl

    Das du das hier relativierst kommt ja gar nicht überraschend!

  6. Sofia Papazoglou

    Wem hätte er es denn signalisieren sollen, dass alles ok ist, während für alle drei klar war, dass sie jetzt einfach doof in die Kamera lächeln sollen für den Einspieler? Er lächelte sekundenlang und macht dann in der Einblende das Zeichen. Das kommt schon sehr seltsam

  7. SureBrudi

    Eindeutige Dog-Whistle, Leute, die wissen, was es bedeutet, wissen es. Die anderen schreiben solche Artikel.

  8. Thorsten Waldmann

    Schaut den Screenshot doch mal genau an – der Gesichtsausdruck konzentriert, die Augen zu, Daumen und Zeigefinger aufeinander gepresst, die Hand am Oberschenkel, Armhaltung auf beiden Seiten gleich. Vermutlich macht die linke Hand dieselbe Geste.
    Der fokussiert. Das ist eine Übung aus dem autogenen Bereich, um einen Entspannungs- und Fokussierungseffekt abzurufen, bevor es gleich losgeht.
    Das ist nichts unübliches und als meditative Übung absolut verbreitet – hat weder etwas mit tauchen, noch mit White Power zu tun.
    Vergleicht mal progressive Muskelentspannung nach Jacobson bzw autogenes Training – soweit ich weiß, gibt es sogar im Yoga eine ähnliche Übung.

  9. Carsten

    Sowas dummes hab ich ja noch nie gehört. Es ist ein ok Zeichen wie es auf der ganzen Welt verwendet wird. Diese ganzen selbsternannten antirassisten interpretieren so viel in alle möglichen Dinge. Vermutlich weiß nicht mal die white power Bewegung Davon 😀
    Zumal hier ein Riesen bericht geschrieben wird und am Ende dann einfach drauf hingewiesen wird das eigentlich alles in Ordnung ist und es die Zeit gar nicht wert war. Manche Leute Ham echt zu viel Freizeit um sich mit solchem Schwachsinn auseinander zu setze. Dummheit in Reinform.

  10. Carsten

    Ach übrigens, das kann auch das „reingeguggt“ Zeichen sein 😀
    Die Welt ist so bescheuert geworden. Überall Probleme finden,wo keine sind.

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