Die Bundesliga-Schiedsrichter erwischten am Samstagnachmittag insgesamt einen starken Auftritt. Bei mehreren kniffligen Szenen lagen die Unparteiischen richtig, auch die VAR-Eingriffe bei Sven Jablonski und Daniel Siebert funktionierten wie vorgesehen. Auffälligster Wackler kam ausgerechnet von einem der erfahrensten Assistenten: Christian Gittelmann übersah in Dortmund innerhalb von rund 20 Minuten gleich zwei Abseitsstellungen vor vermeintlichen BVB-Toren.
TSG Hoffenheim – VfB Stuttgart 2:1 (SR: Sven Jablonski)
Szene 1: Stiller ging im Hoffenheimer Strafraum im Duell mit Kabak zu Boden und hielt sich sofort schmerzverzerrt das Bein. Ein klares Foulspiel war zunächst nicht zu erkennen. Die Wiederholung zeigte dann: Beide treffen mit den Knien aufeinander.
Schiedsrichter Sven Jablonski ließ weiterspielen. Eine schmerzhafte, aber unglückliche Kollision – für uns ist Weiterspielen die bessere Entscheidung. Für einen Strafstoß reicht dieser Kontakt nicht aus. Das ist eher ein schmerzhafter „Unfall“ als ein Foulspiel.
Szene 2: Dann wurde es noch einmal richtig knifflig: Burger legte sich den Ball im Strafraum mit der Hacke vor, anschließend wurde es zwischen mehreren Spielern eng. Schließlich schoss Hložek aus kurzer Distanz Stiller an die Hand.
Der VAR schickte Sven Jablonski zur Review Area – doch dort zeigte sich ein entscheidendes Detail: Noch vor dem möglichen Handspiel von Stiller war Hložek selbst mit der Hand am Ball.
Damit war die Sache klar: kein Elfmeter für Hoffenheim. Stattdessen wurde das vorherige Handspiel von Hložek geahndet und das Spiel mit einem direkten Freistoß für Stuttgart fortgesetzt. Korrekte Entscheidung nach dem On-Field-Review.
1. FSV Mainz 05 – Eintracht Frankfurt 1:3 (SR: Felix Zwayer)
Szene 3: Becker war auf dem Weg in den Strafraum und versuchte, sich zwischen Doan und Onyedika durchzusetzen. Dabei ging der Mainzer Angreifer nahezu auf Höhe der Strafraumlinie zu Boden – Schiedsrichter Felix Zwayer zeigte sofort auf den Punkt.
Die Wiederholung stützt seine Entscheidung: Doan spielt zwar den Ball, gleichzeitig trifft Onyedika Becker jedoch deutlich am Knie. Dazu kommt ein leichter Kontakt mit dem Arm am Oberkörper. Entscheidend ist vor allem der Kniekontakt auf der Linie.
Und genau der Ort des Vergehens ist hier wichtig: Die Strafraumlinie gehört zum Strafraum. Findet der maßgebliche Kontakt auf der Linie statt, ist bei einem strafbaren Foulspiel auf Strafstoß zu entscheiden. Für uns ist der Elfmeter vertretbar und Zwayers Entscheidung nachvollziehbar. Von einer glasklaren Entscheidung würden wir allerdings nicht sprechen, weil Doan den Ball spielt und die Kontakte der beiden Frankfurter sauber voneinander getrennt bewertet werden müssen.
Borussia Dortmund – SC Paderborn 3:0 (SR: Harm Osmers)
Szene 4: Fábio Silva chippte den Ball am Strafraumrand gefühlvoll in den Lauf von Guirassy, der die Kugel anschließend sehenswert über Noll hinweg ins Tor hob. Der Jubel hielt allerdings nicht lange.
Beim Zuspiel stand Guirassy deutlich im Abseits, der VAR griff ein und der Treffer wurde folgerichtig aberkannt. Richtige Entscheidung – allerdings eine, für die es den VAR eigentlich nicht hätte brauchen dürfen. Guirassy war gut sichtbar einen halben Schritt zu weit vorne. Das hätte Assistent Christian Gittelmann auch auf dem Feld erkennen können.
Szene 5: Nach der Ecke bekam Paderborn den Ball nicht entscheidend geklärt. Svensson brachte die Kugel anschließend maßgenau in die Mitte, wo Guirassy am Fünfmeterraum mühelos einköpfte. Doch erneut hielt der Treffer dem VAR-Check nicht stand.
Guirassy stand beim Zuspiel knapp im Abseits, der Treffer wurde folgerichtig zurückgenommen. Damit erwischte es den Dortmunder Torjäger innerhalb von rund 20 Minuten bereits zum zweiten Mal.
Und damit rückt auch Assistent Christian Gittelmann in den Fokus. Zwei übersehene Abseitsstellungen, zwei vermeintliche Dortmunder Tore und zweimal musste der VAR korrigieren. Ein für Gittelmann ungewöhnlich schwacher Nachmittag. Der erfahrene Assistent gehört normalerweise zu den zuverlässigsten seines Fachs in Deutschland. Umso mehr überraschen diese beiden Fehleinschätzungen innerhalb so kurzer Zeit.
SC Freiburg – Borussia Mönchengladbach 5:0 (SR: Richard Hempel)
Szene 6: Gladbachs Kapitän kam im Zweikampf gegen Lienhart zu spät. Zwar bremste er vor dem Kontakt noch ab, stieg dem Freiburger anschließend aber klar auf den Fuß. Ein klassisches Stempeln und damit ein verwarnungswürdiges Foul.
Da er bereits nach seiner unnötigen Unsportlichkeit zu Beginn Gelb gesehen hatte, blieb Schiedsrichter Richard Hempel nur eine Konsequenz: Gelb-Rot – die richtige Entscheidung.
FC Augsburg – Bayer 04 Leverkusen 2:2 (SR: Daniel Siebert)
Szene 7: Nach einem Eckball wurde es im Augsburger Strafraum turbulent: Dahmen parierte zunächst gegen Tapsoba und anschließend gegen Quansah. Über Diaby landete der Ball schließlich bei Maza, dessen abgefälschter Flachschuss im Tor einschlug. Augsburg reklamierte jedoch sofort ein Stürmerfoul in der Entstehung.
Der VAR schaltete sich ein und schickte Daniel Siebert zum Monitor. Die Bilder zeigten deutlich, dass Quansah den Augsburger Behrens mit beiden Händen zu Boden stieß, während der Ball noch in der Luft war.
Ein strafbares Stoßen und damit ein Foulspiel vor dem Treffer. Der VAR-Eingriff war richtig, Siebert nahm das Tor nach dem On-Field-Review zu Recht zurück.
