Der Schiedsrichter bleibt der Chef vom Platz

Der Schiedsrichter bleibt der Chef vom Platz

23. Juni 2018 0 Von Reiner Kuhn

Südkorea – Mexiko 1:2

Erstmals bei dieser WM kam das serbische Unparteiischengespann um Milorad Mažić zum Einsatz.  In der Besetzung mit Milovan Ristić und Dalibor Đurđević war das Trio bereits vor vier Jahren in Brasilien dabei und  dort zwei Spiele.

Handelfmeter für Mexiko! Links in der Box möchte Andrés Guardado flanken. Ihm rutschte Hyun-soo Jang mit weit nach oben gestrecktem Arm entgegen. Damit hielt der Südkoreaner den Ball auf. Klare Sache! Da h

Es dauerte einige Zeit, bis der Strafstoß ausgeführt werden konnte. Südkoreas Keeper verschleppte die Zeit. Dann trat Carlos Vela an und behielt die Nerven. Der Mexikaner verludt Hyun-woo Cho, schoß mit dem linken Fuß locker ins rechte Eck und erzielte seinen ersten WM-Treffer. Was in der normalen Spielgeschwindigkeit für den Schiedsrichter kaum ersichtlich war, ließ die Zeitlupe erahnen.
Nahe der Mittellinie wurde Yong Lee von Andrés Guardado in der Rippengegend getroffen und ging zu Boden. Da er dort liegen blieb, sorgte Mažić dafür, dass der Ball ins Aus gespielt wurde. Nun unterbrach er die Partie zugunsten einer medizinischen Behandlung. Auch wenn hier nicht viel Kontakt, bekam der Südkoreaner mit vollem Tempo den Ellenbogen in den Körper und kam zu Fall. Hier hätte der Unparteiische aus meiner Sicht einen Freistoß verhängen müssen, denn der Young Lee wäre vorbei gewesen. Zudem hätte es auch Gelbe für das klare taktische  Foul geben müssen.

Klares Foul? Héctor Herrera stellt das Bein.

2:0 für Mexiko im Video! Nach einem Ballverlust von Sung-yueng Ki schalteten die Mexikaner schnell um. Hirving Lozano hatte im Zentrum viel Platz, spielte uneigennützig in die Gasse. Halblinks in der Box schlug Javier Hernández noch einen Haken zur Mitte, ließ damit Hyun-soo Jang aussteigen und schoß mit dem rechten Fuß ins kurze Eck.

Einschätzung: Für mich ist weiterspielen vertretbar. Der kurze Kontakt am Fuß reicht meiner Ansicht nach nicht für ein Foulspiel aus. Der Schiedsrichter hat einen klaren Blick auf die Szene und ließ weiterspielen ließ. Außerdem ist das Foul tief in der eigenen Hälfte, da hätten auch noch Spieler eingreifen können. Daher halte ich weiterspielen mindestens für vertretbar. Da es Mažić gesehen und bewertet hat, ist dies kein Fall für den Video-Assistenten. Man mag von der Eingriffsschwelle halten was man will, ich finde sie gut. Nur Eingreifen wenn der Schiedsrichter etwas nicht sieht, so bleibt der Referee der Chef auf dem Platz.
Fazit: Mažić gelang es in der ersten Halbzeit, seine Karten in der Tasche zu lassen. Er schaffte es, dass Spiel komplett zu kontrollieren und die Atmosphäre zu beruhigen. Das letzte Foul in Hälfte eins hätte aber zwingend eine Verwarnung nach sich ziehen müssen. Was ist der Sinn dahinter ein Spiel auf Biegen und Brechen komplett ohne Gelbe Karte durchbringen zu wollen und dann für kleinere Vergehen zu verwarnen. Irgendwie verstehe ich da die FIFA nicht.

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