Hände weg vom Weißkalk!

Hände weg vom Weißkalk!

22. Juli 2018 0 Von Redaktionsmitglied

Die Spielfeldmarkierung dient der Begrenzung eines Spielfelds auf einem Rasen, Kunstrasen, Sportboden oder auf dem Eis sowie der Kenntlichmachung spezieller Zonen, so beim Fußball zum Beispiel der des Strafraums und des Mittelkreises.

Mitarbeiter kreidet einen Fußballplatz ab – mit Flssigkalk [Fotoquelle: Screenshot youtube]

Doch womit?

Die traditionelle Methode zur Markierung eines Rasenplatzes besteht darin, Schnüre über das Feld zu spannen und den Markierungswagen an diesen entlangzuführen. Nach einer einmaligen Vermessung dienen dem Platzwart gekennzeichnete Festpunkte am Spielfeldrand zur Orientierung und Befestigung der Leinen.

Mittlerweile sind auch Technologien verfügbar, die diese Arbeit erleichtern, beschleunigen und automatisieren können. So sind lasergesteuerte Geräte auf dem Markt, bei deren Verwendung der Arbeitsschritt des Schnürespannens entfällt.

Grundsätzlich wird bei der Linierung mit zwei unterschiedlichen Verfahren gearbeitet, der Trockenmarkierung und der Flüssigmarkierung.

Trockenmarkierung

Für die Trockenmarkierung gilt reines Calciumcarbonat beziehungsweise natürliche Kreide als optimales Material, weil es als umweltfreundlich gilt und als gesundheitlich unbedenklich eingestuft wird – im Gegensatz zu gelöschtem Kalk (Kalkhydrat) oder ungelöschtem Kalk (Calciumoxid), das in Verbindung mit Wasser ätzend wirkt und in der Anhebung der Linien resultiert. Das Calciumcarbonat ist kaum wasserlöslich, verfügt über die bei der Markierung wichtige Streufähigkeit, eine gute Haftung auf dem Grund und ist auf dem Sportplatz als reines Weiß gut zu erkennen. Es können sowohl Rasen- als auch Tennenplätze mit der Trockenmarkierung liniert werden.

Der Auftrag erfolgt mit einem rein mechanisch funktionierenden Kreidewagen mit Rüttelsieb, der für eine gleichmäßige Streuung der Kreide sorgt.

Baukalk, auch Weißkalk genannt, darf wie auch gelöschter oder ungelöschter Kalk nicht zur Markierung verwendet werden. In der Vergangenheit konnte dies zu Verätzungen bei Spielern führen, deren Haut in Kontakt mit dem Markierungsmittel kam. Fälle von Erblindungen sind dokumentiert. Bernd Förster musste drei Monate pausieren, nachdem Weißkalk in eine Schürfwunde kam.

Benutzung von Weißkalk verboten!

Weißkalk, auch gelöschter Kalk oder Kalkhydrat genannt, hat einen ph-Wert von 12,4! In Verbindung mit Feuchtigkeit wie Wasser, Schweiß, Tränenflüssigkeit oder in Wunden reagiert der Weißkalk ätzend. Weißkalk bindet im Boden ab und lässt kein Wasser mehr durch. Die Linien frieren im Winter hoch. Der Rasen kann nicht mehr wachsen. Der DFB und die Landesverbände haben den Einsatz von Weißkalk zur Spielfeldmarkierung verboten! Trotzdem nehmen immer noch 20 % aller Fußballvereine in Deutschland dieses Produkt zum Abzeichnen.

Was ist die Alternative?

Die Flüssigmarkierung für Rasenflächen ist im Profi-Sport Standard aber auch im Amateurbereich weit verbreitet. Der Farbauftrag hat länger Bestand als bei der Trockenmarkierung, die Farbe haftet am Rasen und dringt nicht in den Boden vor. Das Erscheinungsbild ist daher akkurater als bei der Trockenmarkierung.

Die unterschiedlichen Produkte sind als Basis-Pulver, Konzentrate und direkt verwendbare Mischungen erhältlich. Zusatzstoffe können die Linierung unter anderem gegenüber Nässe unempfindlicher machen. Qualitätskriterien der Markierungsfarbe sind neben weiteren die Leucht- und Deckkraft, eine schnelle Trocknung und Umweltverträglichkeit.

Im Bereich der Markierungswagen sind unterschiedliche Produkte erhältlich. Ein elektrisches oder mechanisches Pumpsystem ist in jedes Modell integriert. Optional sind unter anderem verschiedene Kanistergrößen für die mitzuführende Farbe verfügbar, diverse Einstellmöglichkeiten für die Durchflussgeschwindigkeit und Breite des Farbauftrags. Verstärkte Batterien sind beim Einsatz in größeren Sportanlagen sinnvoll.

Darf ich als Schiedsrichter deshalb ein Spiel absagen?

Nein! Sollte eine kurzfristige Bereinigung mit einer anderen Spielfeldmarkierung nicht möglich sein, so ist lediglich eine Meldung im Spielbericht erforderlich.

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