Rot für Hübner noch im möglichen Graubereich

Rot für Hübner noch im möglichen Graubereich

6. Juni 2020 0 Von IG Schiedsrichter

In der Bundesliga-Konferenz war von Anfang gleich richtig Feuer drin. So gab es frühzeitig eine Rote Karte und ein aberkanntes Tor. Auch greifen die Schiedsrichter seit diesem Spieltag wieder bei unsportlichen Verhaltens häufiger zur gelben Karte. Unsere Einschätzungen:

Den großen Aufreger gab es bereits nach neun Minuten bei der Partie Fortuna Düsseldorf gegen die TSG Hoffenheim (2:2) und die Rote Karte für Hoffenheims Kapitän Benjamin Hübner. Bei einem Gerangel im Strafraum vor einer Ecke der Gäste schob Hübner Ayhan weg und drückte seinem Gegenspieler den Ellenbogen dabei an den Körper. Storks wertete diese Aktion als Tätlichkeit. Unseres Erachtens traf Hübner in der Rangelei seinen Hintermann mit der Hand an der Schulter. Storks deutete einen Ellenbogenschlag laut seiner Gestik an und stellte ihn runter. Das Spiel war unterbrochen, daher ging es mit Eckball weiter. Der Video-Assistent bestätigte Storks harte Entscheidung. Der VAR hätte eingreifen müssen, wenn Storks hier einen Ellenbogenschlag wahrgenommen hat. Hoffenheim frühzeitig dezimiert. Für uns ist das auch absolut vertretbar und nicht durch den Videobeweis zu korrigieren. Wenn man nach hinten ausschlägt, will man einen Gegner los werden der davor geklammert hat, er nimmt auch in kauf, dass man ihn im Gesicht erwischt, dann haben wir da regeltechnisch einen klaren Fall von einer Tätlichkeit [TV-Bilder].

Nach zehn Minuten erneuter Videobeweis. Ein Kopfball-Tor von Hennings wurde überprüft. Offenbar wurde Posch zuvor geschubst. Dieser hatte eine tolle Flanke von Suttner zu Hennings verlängert, der ins leere Tor einköpfen konnte. Baumann war zuvor am Leder vorbei gesegelt. Karaman hatte Posch tatsächlich in der Luft gestoßen und damit die unfreiwillige Vorlage für Hennings provoziert. Somit war diese Entscheidung der Rücknahme des Tores korrekt.

Eine Viertelstunde vor Schluss gab Sören Storks Strafstoß für Hoffenheim: Die plumpe Aktion, das unnötige Schieben des Verteidigers wird im Strafraum mit Elfmeter und Gelb bestraft, weil er damit den Angriff des Hoffenheimers unterbunden hat.

Bayer Leverkusen 1:4 FC Bayern München (SR: Manuel Gräfe)

In der 8. Minute gleich die erste schwierige Entscheidung für Manuel Gräfe: Coman wollte sich gegen drei Leverkusener durchdribbeln und sprang dann ab, ohne jeglichen Kontakt vom Gegenspieler zu diesem Zeitpunkt. Indirekter Freistoß und Gelb für den Bayernspieler war die richtige Entscheidung. Wenige Minute später dann der erste und einzige Eingriff von VAR Martin Petersen, als der Ball im Tor von Manuel Neuer lag und die Fahne von SRA 1 Guido Kleve oben war. Alaba hob aber das Abseits gegen Alario auf. Somit wurde das Tor nach Absprache mit Köln gegeben und Leverkusen ging, wie auch schon im Hinspiel mit 1:0 gegen den Rekordmeister in Führung. In der 26. Minute dann eine klassische Aktion von Gräfe: Kimmich spielte einen Pass und Alario traf ihn danach noch hinten am Fuß, der Pfiff blieb aber aus. Kurz darauf dann das 1:1! Coman machte das Tor für die Bayern auf klasse Vorarbeit von Leon Goretzka. Nach einer halben Stunde gab es folgerichtig die gelbe Karte für Amiri, der Davies am Strafraum gelegt hatte. In der 32. Minute dann die 5. gelbe Karte für den aktuell Führenden in der Torjägerliste Robert Lewandowski nach einem Luftduell gegen Sven Bender. Für das Foul wäre das eine sehr harte Entscheidung gewesen, der Pole reklamierte aber im Anschluss noch. Kurz darauf dann auch Gelb für Bellarabi, der Davies erst an der Seitenlinie festhielt und dann auch noch das Bein stellte, als dieser drohte vorbeizukommen. Diese gelbe Karte hatte er sich schon vorher ordentlich erarbeitet. 5 Minuten vor der Pause gab es dann auch noch Gelb für Müller, der erst ein Stürmerfoul beging und dann bei der Freistoßausführung das Bein reinhielt und den Ball ablenkte. Auch hier ging die gelbe Karte in Ordnung, seit diesem Spieltag wird die Anweisung des DFBs zur Rückrunde bei den Unsportlichkeiten nach der Corona-Pause wieder konsequenter umgesetzt. Bitter für Müller: Auch er wird kommende Woche im Spitzenspiel gegen Gladbach aufgrund dieser 5. gelben Karte fehlen. Doch dann zwei Minuten später der Führungstreffer für die Bayern durch Goretzka, der aus ca. 20 Metern zentral ins rechte untere Eck abschloss. Hier sah der Leverkusener Schlussmann nicht gut aus. Genauso wie wenige Augenblicke später als Gnabry das 3:1 für die Bayern machte. Müller spielte einen Ball aus der eigenen Hälfte über locker 60 Meter zu Gnabry, Hradecky zögerte und kam dann doch spät raus, der Münchner hob den Ball einfach drüber ins Leverkusener Tor. Mit dieser 2-Tore-Führung des Tabellenführers ging es dann in die Kabinen.

In der zweiten Halbzeit dann in der 50. Minute der nächste Konter der Bayern, nach einem Ballverlust der Gastgeber am gegnerischen Strafraum. Müller verfehlte am Ende das Tor nur sehr knapp. Daraufhin ließ die Partie ein bisschen nach, auch wenn sie weiterhin umkämpft blieb. Nach 66 Minuten dann das 4:1 für die Bayern durch Lewandowski, sein 30. Saisontreffer. Damit war die Partie entschieden. In der 75. Minute dann noch eine weitere gelbe Karte für Dragović, der Goretzka mit einem taktischen Foul stoppte. Nach 89. Minuten schoss Florian Wirtz dann noch ein klasse Tor zum Anschluss von Bayer Leverkusen. Am Ende ist es beim 2:4 geblieben. Hansi Flick und dem FC Bayern gelang die Revanche.

Fazit: Gräfe mit einer guten Leistung in diesem durchaus zeitweise hart umkämpften Spiel. Im Laufe der ersten Halbzeit musste er von seiner üblichen Linie abweichen, zog das dann bis zum Ende konsequent durch. Besonders zu erwähnen sind auch noch die beiden 5. gelben Karten für Lewandowski und Müller, beide nach Unsportlichkeiten. Auch dieses Spiel bestätigt die Vermutung, dass der DFB seinen Bundesliga-Schiedsrichtern nochmal einen Hinweis vor diesem Spieltag gegeben hat.

Eintracht Frankfurt 2:2 1. FSV Mainz 05 (SR: Dr. Felix Brych)

Das Derby war zunächst gar nicht das erwartet harte Spiel. Es war auch das Verdienst der souveränen Spielleitung von Felix Brych, der erstmals nach dem Re-Start wieder mit seinen Stammassistenten Mark Borsch und Stefan Lupp im Einsatz war.

In der ersten Halbzeit war das Spiel sehr ruhig. Eine kurze Phase härterer Frankfurter Foulspiele unterband Brych mit guter Präsenz. Kurz vor der Halbzeit fand er dann den richtigen Einstieg in die persönlichen Strafen mit der gelben Karte für Danny Latza. In der zweiten Halbzeit fand die Partie dann recht schnell ihren Derbycharakter. Awoniyi zog im Strafraum Dominik Kohr am Trikot. Da der Ball aber noch nicht im Spiel war, gab es nur die Verwarnung für den Mainzer und keinen Strafstoß. Im weiteren Verlauf nahm Brych in Zusammenarbeit mit VAR Marco Fritz zwei Mainzer Tore richtiger Weise wegen Abseits zurück, wobei hervorzuheben ist, dass Assistent Stefan Lupp bereits auf dem Feld die richtige Entscheidung traf.

In der 70. Minute setzte Martin Hinteregger im eingenen Strafraum seinen Arm gegen den Mainzer Mateta ein, der sehr spektakulär fiel. Wenn man aber nur den Armeinsatz betrachtet, so reicht das nicht für einen Strafstoß. Kurz überprüft wurde auch das 0:2 durch Kunde. Das Tor hielt der Begutachtung aus Köln allerdings zu Recht stand. Im weiteren Verlauf der Partie verhängte Brych noch vier weitere Verwarnungen und brachte die sehr intensive Partie äußerst souverän über die Bühne!

RB Leipzig 1:1 SC Paderborn (SR: Deniz Aytekin)

Die Schiedsrichter setzten die Rückrundenanweisung des DFB an diesem Spieltag wieder konsequent um. Am Freitag Gladbach Plea, Gelb/Rot von Benedikt Kempkes für den Dynamo-Akteur und hier auch Aytekin, der Upamecano wegen Ballwegschlagens mit der Ampelkarte noch vor der Pause des Feldes verwies. Erwähnenswert ist noch die korrekt gegebene gelbe Karte von Aytekin für Klaus Gjasula in der 22. Minute. Denn es ist seine 16. in dieser Saison, damit stellt er den Bundesliga-Rekord von Hajto ein.

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