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Aytekin in der Empathie-Falle

Im zweiten Teil des 17. Bundesliga-Spieltags stand das Debüt von Timo Gerach im Fokus, was nicht so ganz geglückt ist. Deniz Aytekin bewertete ein Nachtreten gnädig mit Gelb. Weiter in der Analyse sind Abseits-, Handspiele und Foulspiele.  

SC Freiburg – Eintracht Frankfurt 1:1 (SR: Deniz Aytekin)

Szene 1: In der 67. Minute hatte Frankfurts Jesper Lindstrom mächtig dusel, als er bei einem Nachtreten mit der Gelben Karte davon kam. Er trat gegen Gregoritsch ein wenig nach und überlegte dabei wohl kurz, auch durchzuziehen. Schiedsrichter Aytekin, der diese Situation wohl nicht wahrgenommen hat, wurde von Pascal Müller an den Monitor geschickt. Nach kurzer Zeit der Begutachtung zeigte ihm Deniz Aytekin den gelben Karton. Sehr gnädig, zu gnädig. Der Ball ist nicht im spielbaren Bereich, der Tritt ist recht deutlich, wenn auch nicht sonderlich intensiv. Ich bin auch recht sicher, dass er den Freiburger wirklich trifft. Gemäß Regel 12 unsportlichen Verhalten und Betragen wird ein Nachtreten -und sei es nur der Versuch- mit glatt Rot geahndet. Lindström versetzte ihn von hinten einen Tritt sodass er fiel. Die Bewegung kann auch keine andere Intensition haben, als das Nachtreten. Das wirkt so, als wolle er im Nachtreten noch etwas zurückziehen, was hier Deniz Aytekin wohl dazu bewogen hat, nicht auf Rot zu gehen, aber das ist für mich nicht ausreichend, um das Strafmaß auf eine Verwarnung abzuwerten.

Empathie ist meiner Meinung nach bei solchen klare Sachen immer ein sehr schwaches Argument, was meistens erst dann gewählt wird, wenn es regeltechnisch dünn wird. [TV-Bilder – ab 7:19 Minute]

Werder Bremen – 1. FC Union Berlin 1:2 (SR: Bastian Dankert)

Szene 2: VAR-Entscheidung: Tor von Becker wird nicht gegeben. Der Video-Assistent rettete Pavlenka , denn schon wieder führte ein Ballverlust in der Bremer Abwehr zum Gegentor. Behrens blockte den Schlag von Keeper Pavlenka, der mit Platz nicht am einzigen Anläufer vorbeikam. Dabei war aber die Hand dran, sodass die Vorarbeit von Becker nach Blick auf den Monitor zurückgenommen wurde. Das ist die richtige Entscheidung. Die Hand steht seitlich vom Körper, verbreiterte die Körperfläche. Somit liegt regeltechnisch ein absichtliches Handspiel vor. [TV-Bilder – ab 2:45 Minute]

Bayer Leverkusen – VfL Bochum 2:0 (SR: Timo Gerach)

Szene 3: Bei seinem Bundesligadebüt stand Referee Timo Gerach gleich in der Anfangsphase im VAR-Fokus, als Diaby bei der Vorarbeit aus dem Gleichgewicht kam, weil Schlotterbeck das Bein stehen ließ. Schiedsrichter Gerach, der eigentlich optimal stand, sah das Fußvergehen des Ex-Freiburgers nicht. So musste ihn Deutschlands erfahrenster Video-Assistent retten. Nach einem Blick auf den Monitor gab Gerach den folgerichtigen Foulelfmeter. Die Entscheidung nach Videobeweis korrekt. Aber schwer zu beurteilen in Echtzeit. Nach einem Sprint über den  Platz, war er beim Foul etwa 15 Meter entfernt. Daher kann ich nachvollziehen, wieso er den erst nicht gab. In der nahen Zeitlupe erkennt man das Fußfoul dann aber deutlich. Geht es nach den Leverkusener Fans im Block wollen sie den Videobeweis abschaffen, aber hier bescherte er ihnen einen Elfmeter. Der Videobeweis macht den Fußball eben doch gerechter… [TV-Bilder – ab 0:15 Minute]

Szene 4: In der Nachspielzeit der ersten Hälfte sprang der Ball nach einem Freistoß von Stöger an den Ellenbogen von Hincapie, der diesen allerdings eng am Körper hatte. Kein Handelfmeter sagte Timo Gerach und lag damit richtig. Der Arm ist am Körper angelegt und keine Bewegung zum Ball erkennbar. [TV-Bilder – ab 4:07 Minute]

Szene 5: Adli und Janko fielen im Laufduell beide hin, der Leverkusener stand allerdings schneller wieder auf – und wurde von Janko am Trikot gezogen sodass dieses zerriss. Gerach ließ die Situation ungeahndet und zog damit den Unmut von Bayer-Trainer Xabi Alonso auf sich. Das ist eigentlich ein klares taktisches Foulspiel durch Vereitelung eines aussichtsreichen Angriffs und hätte zwingend Gelb geben müssen. Der Trainer regte sich lautstark über die Entscheidung auf – und wurde schließlich noch selbst verwarnt. Diese Verwarnung ist richtig. Auch wenn Alonso hier richtigerweise ein Foul gesehen hat, war die Art und Weise des Gestikulierens hinsichtlich Vorbildwirkung zu viel. [TV-Bilder – 6:02 Minute]

Fazit zum Debüt: Natürlich stand Timo Gerach jetzt bei seinem ersten Bundesligaspiel unter besonderer Beobachtung. Mal abgesehen von diesen zwei Szenen hat er eine gute Leistung abrufen können. Das ist auch kein Problem von Gerachs Reife, sondern eher der Aufregung im ersten Spiel. Sieht man ja schon, dass er schon früh den Videobeweis brauchte.

Beim Foulspiel im Strafraum „rettete“ ihn der Video-Assistent und beim Foul vom Janko hat er falsch wahrgenommen. Bei einem Freistoß greift aber der VAR nicht ein, sofern „nicht etwas Rotes“ dabei ist. Das Handspiel hat er korrekt gesehen. Ein zwei Fehler macht jeder und wenn ich sehe das ein erfahrener Aytekin bei einem klaren Nachtreten keine „Eier“ hat, Rot zu zeigen, hat das nichts mit Unerfahrenheit zutun,  sondern eher von Aufgeregheit. Jeder macht Fehler. Ich hoffe nur, dass er dadurch nicht die Möglichkeit eines zweiten Spiels nicht verspielt hat. Timo Gerach ist grundsätzlich ein richtig guter Zweitligaschiri.

FC Augsburg – Borussia Mönchengladbach 1:0 (SR: Daniel Schlager)

Szene 6:  Knapp zehn Minuten vor der Pause musste der Video-Assistent beim Tor von Beljo eingreifen. Eine Ecke von links verlängerte Maier am kurzen Pfosten mit dem Kopf zu einer Kerze im Fünfmeterraum. Omlin stieg hoch und müsste die Kugel eigentlich locker abfangen. Er ließ den Ball jedoch fallen und Beljo musste auch zwei Metern nur noch den Fuß hinhalten. Doch Video-Assistent Dr. Jöllenbeck rettete Schiri Schlager, denn er hat die hauchdünne Abseitsposition gesehen. Bei der Kopfballverlängerung stand Gouweleeuw einen Fuß breit im Abseits. Deshalb wurde der Treffer nicht gegeben. [TV-Bilder – ab 1:53 Minute]

 

Dieser Beitrag hat 2 Kommentare

  1. Dieter Albrecht

    Nun hat Manuel Gräfe endlich sein Urteil im Streitfall gegen den DFB. Es ist wohl nicht in seinem Sinne ausgefallen. Es ist auch nicht nachvollziehen, dass er allgemein als der große Gewinner bezeichnet wird. Statt der geforderten 195.000 € sind ihm gemäß Gerichtsurteil lediglich 48500 € zugestanden worden, also rund ein Viertel der Summe. Eine Rückkehr von Gräfe auf die Schiedsrichterliste war ohnehin von vornherein ausgeschlossen.
    Zur Wahrheit gehört auch, dass Gräfe von der Fifa vorzeitig mit 43 Jahren aussortiert wurde, weil er die vorgeschriebenen Pflichtlehrgänge nicht wahrgenommen oder die Leistungsprüfung nicht bestanden hat. Davon wird überhaupt nicht geredet. Im internationalen Fußball war er nahezu bedeutungslos, was an der Zahl seiner Einsätze abzulesen ist. Bei DFB-Lehrgängen, wie vor drei Jahren in Grassau, hat er sich aus fadenscheinigen Gründen von der Leistungsprüfung vorzeitig verabschiedet, konnte erst in der letztmöglichen Nachprüfung die Anforderungen erfüllen, um weitere Einsätze zu erhalten. Zur Erinnerung: Er hat vom DFB die herausragenden Spitzenspiele geleitet. So häufig wie kein anderer. Es hatte den Anschein, die Spiele zwischen Borussia Dortmund und Bayern München könne kein anderer Schiedsrichter leiten. Die Einsätze waren ihm dennoch zu wenig. Er wollte möglichst jede Woche ein Bundesligaspiel leiten.
    Gräfe ist ein Selbstdarsteller, will ausschließlich sein Ego befrieden. Es geht ihm nur um sich selbst, nicht wie vorgeschoben um andere Schiedsrichter. Als Sportwissenschaftler sollte er mit bald 50 Jahren für seinen Lebensunterhalt sorgen, anstatt sich für seine, wie er glaubt, langjährigen Verdienste beim DFB bedienen zu wollen. Vielleicht verschafft ihm ja das ZDF und Sport 1, im Verbund mit dem Erneuerer Urs Meier, einen langjährigen Job als Experte, um für das Auskommen zu sorgen. Gräfe war zweifellos ein guter Schiedsrichter, hat es als Mitleidseffekt geschickt verstanden, sich mit einem selbst inszenierten „grandiosen“ Abgang im letzten Bundesligaspiel durch ein Spielerspalier zu verabschieden. So etwas hat es bis dahin noch nie gegeben. Es gehört aber eindeutig mehr dazu, den Spitzenfußball als Repräsentant in der Außendarstellung zu vertreten. Auch hat er sich schon bei der Einführung gegen den VAR positioniert. Jetzt beklagt er, nicht vom DFB nominiert zu werden. Gräfe legt sich immer alles in seinem Sinne zurecht.
    Mit dem Urteil fühlt er sich als der Sieger über den DFB was ich überhaupt nicht zu erkennen vermag. Vielleicht geht er ja noch in die nächsthöhere Instanz. Wie auch immer: Als Schiedsrichter hat er sich einen exzentrischen Abgang verschafft. Das wird in Erinnerung bleiben. Aber der deutsche Fußball wird es auch ohne Manuel Gräfe weiter existieren.

  2. Torsten Perschke

    Dem ist nichts hinzuzufügen. Sie haben zu 100% Recht. Das die – aus gutem Grund – nirgendwo niedergeschriebene Altersgrenze einer rechtlichen Überprüfung nicht Stand halten würde, ist nicht so ganz überraschend. Was ja offenbar auch die FIFA (Grenze 45) erkannt hat. Stichwort: D. Orsato war bei der WM in Katar bereits 47 Jahre alt. Und auch in Deutschland erinnere ich mich an eine „Lex Eschweiler“ in den 1980er Jahren. Dieter Pauly pfiff ebenfalls noch über „die nicht vorhandene Grenze“ hinaus ..-

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