Die Analyse:
Die Weltmeisterschaft 2026 ist Geschichte, auch für die eingesetzten 42 Schiedsrichter. Mein Fazit der 104 Spiele fällt insgesamt positiv aus. Es gab sehr viele gute, aber auch einige weniger gute Leistungen. Das Finale Spanien gegen Argentinien war von vornherein äußerst schwierig zu leiten. Das lag vor allem an dem zumeist rustikal auftretenden Titelverteidiger Argentinien.
Ich will nicht alle Vorfälle der Mannschaft in der WM aufzählen. Wer das Finale objektiv betrachtet hat, wird zu der Erkenntnis gekommen sein, dass die Spielweise mit zahlreichen Unsportlichkeiten die erlaubten Grenzen weit überschritten hat. Im Mittelpunkt stand wie immer der Schiedsrichter. Ich betrachte die Leistungen von Slavko Vincic aus Slowenien seit Jahren. Zu seiner Spielleitung gibt es natürlich unterschiedliche Auffassungen. Selbstverständlich war es nicht möglich, das Regelwerk über die gesamte Spielzeit konsequent umzusetzen. Andernfalls wäre das Finale vollkommen aus dem Ruder gelaufen.
Einer Benotung von 2,0 bis 2,5 kann ich mich anschließen. Nur wer selbst Schiedsrichter war oder es noch ist und während seiner Laufbahn brisante Spiele auch auf der Amateurebene geleitet hat, kann sich in eine derartige Situation hineinversetzen. Ich erinnere mich gut an die vorangegangenen Finalspiele. Als ein Beispiel nenne ich die WM 2010 in Südafrika. Da ging es zwischen Spanien und den Niederlanden (1:0 n.V.) oft raubeinig zu, was vor allem den Holländern zuzuschreiben war. Englands damaliger Spitzenschiedsrichter Howard Webb hatte alle Hände voll zu tun, das Ganze geordnet über die Zeit zu bringen. Ein WM-Finale ist immer von äußerster Brisanz geprägt. Wer es übertragen bekommt, weiß auch, was auf ihn zukommt. Dazu kommt immer die Freude, die eigene Laufbahn krönen zu können.
Es gab sehr gute Leistungen. Dazu gehörte der zumindest in Europa weitgehend unbekannte Jordanier Adham Makhadmeh, der im Finale als 4. Mann nominiert wurde. Sehr gut zu bewerten ist Jesús Valenzuela aus Venezuela, der bei seinen Spielen nahezu ohne Karten ausgekommen ist. Andere könnten ebenfalls noch genannt werden. Einige der Besten fielen ihren eigenen Ländern zum Opfer, die bis ins Halbfinale kamen. Das gilt vor allem für den Franzosen Clement Turpin und Michael Oliver aus England. Für Turpin war es bereits die dritte WM ohne die Chance, einmal für das Finale berücksichtigt werden zu können. Der aus dem Iran stammende Alireza Faghani, jetzt Australien, wurde stark favorisiert. Für ihn wäre es der krönende Abschluss seiner langen und überaus erfolgreichen Karriere gewesen. Alle Südamerikaner waren durch die Finalteilnahme Argentiniens ohnehin ausgeschlossen.
Felix Zwayer hat bei seinen zwei Einsätzen keineswegs enttäuscht. Ihm fehlt aber die Ausstrahlung einer souveränen Spielleitung. Die Karte sitzt bei ihm (fast immer) zu locker. Zwölf Gelbe in zwei normal zu leitenden Spielen sind inakzeptabel. Leider war für ihn, wie zuvor schon für Felix Brych (2014 und 2018) und Daniel Siebert (2022) bereits nach der Gruppenphase Schluss. Durch das stets frühe Ausscheiden der deutschen Mannschaft bei den vergangenen drei Weltmeisterschaften hätte für alle die Möglichkeit bestanden, bis ganz nach vorn zu kommen.
Eine Anmerkung in eigener Sache: Der Chefredakteur der IG Schiedsrichter, Reiner Kuhn, ist schwer an Krebs erkrankt. Anton Dinslaken und ich haben einen Spendenaufruf in ganz Deutschland gestartet, um die finanzielle Not für Reiner etwas zu lindern. Wer sich daran beteiligen möchte kann dies sehr gerne zu tun. Die Daten zum Spendenkonto sind in der Plattform der IG und bei Facebook eingestellt.“
Anmerkungen von Reiner Kuhn: Albrechts wichtigste Punkte im Schiedsrichter-Check gibt der Analyse dieses enorme Gewicht.
1. Das WM-Finale & Slavko Vinčić: Diplomatie statt Regelwerk
Er trifft den Nagel auf den Kopf: Ein WM-Finale lässt sich oft nicht streng nach dem Lehrbuch pfeifen, ohne dass es in einer Massenkarambolage oder mit einer Fülle von Roten Karten endet.
Die Herausforderung: Gegen eine extrem emotional aufgeladene argentinische Mannschaft die Balance zwischen Durchgreifen und Deeskalation zu halten, ist eine Mammutaufgabe.
Das Fazit: Eine 2,0 bis 2,5 ist absolut gerechtfertigt. Vinčić hat das Spiel nicht kaputt gepfiffen, sondern dafür gesorgt, dass das Sportliche trotz enormer Brisanz im Vordergrund blieb. Wie du richtig sagst: Howard Webb musste 2010 gegen die Niederlande ähnlich „überleben“.
Deine Beobachtungen zu den einzelnen Personalien zeigen viel Gespür für die Dynamiken hinter den Ansetzungen:
– Adham Makhadmeh & Jesús Valenzuela: Beide haben ein absolut starkes Turnier abgeliefert. Valenzuelas Fähigkeit, Spiele ohne ein Kartenfestival zu leiten, zeichnet echte Spielverwaltung aus.
– Das „Halbfinal-Pech“ (Turpin & Oliver): Das ist die bittere Ironie. Wenn das eigene Land weit kommt, scheidet der Schiedsrichter aus. Für Clément Turpin tut es mir persönlich leid – ein fantastischer Mann, dem dieser Höhepunkt verwehrt bleiben wird.
– Alireza Faghani: Es wäre in der Tat der verdiente Lohn für eine beeindruckende Karriere gewesen.
Felix Zwayer und die deutschen Schiedsrichter
Deine Kritik an Felix Zwayer ist hart, aber absolut sachlich und auf den Punkt gebracht.
— Das Karten-Problem: 12 Gelbe Karten in zwei ganz normalen Partien zeigt genau das, was vielen deutschen Schiedsrichtern oft vorgehalten wird: Eine gewisse Regelakribie statt natürlicher Autorität.
– Die verpasste Chance: Das dramatische frühe Aus der DFB-Elf in den letzten Turnieren hätte theoretisch den Weg geebnet. Dass die DFB-Unparteiischen dennoch früh nach Hause geschickt wurden, spricht Bände über das aktuelle Standing in den FIFA-Gremien.
🎗️ Wichtiger Aufruf: Unterstützung für Reiner Kuhn
Ein ganz starkes Wort zum Schluss deines Beitrags. Die Nachricht über die schwere Krebserkrankung von Reiner Kuhn trifft die Schiedsrichter-Community hart.
Ganz starkes Engagement von dir und Anton Dinslaken! Es zeigt, dass die Schiedsrichter-Familie – bei allen Diskussionen auf dem Platz – zusammenhält, wenn es darauf ankommt.
An alle Mitlesenden: Wer Reiner Kuhn (Chefredakteur der IG Schiedsrichter) in dieser schweren Zeit finanziell und moralisch unterstützen möchte, findet die Daten zum Spendenkonto direkt auf der Plattform der IG Schiedsrichter sowie auf deren Facebook-Seite. Jeder Euro hilft!
Direkt zur Spendenaktion: https://www.gofundme.com/f/gelbrot-fur-die-existenzangst-hilfe-im-kampf-gegen-krebs

Auch wenn ich kein Schiedsrichter bin erlaube ich mir, hierzu eine Meinung zu haben. Eine Gesamtbewertung kann ich nicht abgeben, da ich zu wenige Spiele geschaut habe; eine 2 bis 2,5 erscheint mir aber auf dieser Basis als sehr optimistisch. Das Nicht-Durchgreifen gegen die Argentinier als angemessen und alternativlos zu bewerten, macht mich allerdings fast schon fassungslos. Da sagt der (natürlich unqualifizierte) ehemaliger Spieler: Erst dadurch fühlten sich die unfairen, jedes FairPlay vermissen lassende Argentinier bestätigt, ihr dreckiges Spiel bis ins Finale durchzuziehen. Während den Anfängen – das hat bei Spielern immer gewirkt. Und die, die das nicht gerafft hatten, mussten halt runter – fertig. Schiedsrichter sollen ein Spiel leiten und fertig. Lange Leine und es auch mal bei einer dringenden Ermahnung belassen – ok. Aber einen bspw. Paredes nach einer gelben Karte weiter Narrenfreiheit zu gewähren, hat nichts mit Fingerspitzengefühl oder sonst was zu tun. Es gibt auch einen Gegner der darauf vertrauen muss, dass er geschützt wird – oder spielt der keine Rolle? Unparteiischer ist ein Synonym für den Schiedsrichter – oder gilt das in gewissen Spielen dann einfach nich mehr? Ist das leicht? Oh nein – und ich beneide die SR nicht für solche Spiele. Aber es ist ihre Aufgabe – und gezwungen wird keiner von Ihnen.
Herr Fuchs: Natürlich wird keiner gezwungen, das Amt des Schiedsrichters auszuüben. Aber einer muss es ja machen. Im Finale muss der Schiedsrichter für sich entscheiden, welche Linie er fahren will. Hätte er schon bei der ersten und den nachfolgenden Rudelbildungen sofort mit gelben Karten reagiert, wäre das Spiel möglicherweise bis zur Halbzeit eskaliert. Alles in allem hat er die Balance gefunden, auch wenn einige Vergehen ungeahndet geblieben sind. Bei strenger Regelauslegung hätten vier oder fünf Argentinier vom Platz müssen. Dann wäre zwangsläufig Schluss gewesen. Ich stimme ihnen bei Paredes ausdrücklich zu. Der hätte mehrfach „Gelb“ sehen müssen.
Vielleicht haben sie es auch schon gelesen: Argentinien fordert von der FIFA ein Wiederholungsspiel wegen Benachteiligung durch Schiedsrichter Vincic. Das ist eine totale Verdrehung der Tatsachen. Gegen Dummheit ist kein Kraut gewachsen.
Es wird von WM zu WM schlimmer, weil die sportliche Einstellung bei einigen Ländern auf der Strecke bleibt. Da lobe ich mir die deutsche Mannschaft. Frühes Ausscheiden verhindert Probleme. Ich wünsche ihnen und der Frankfurter Eintracht eine gute, erfolgreiche Bundesligasaison 2026/2027.
Danke, Hr. Albrecht – im Vergleich zur letzten Saison kann’s nur besser werden… Wir sind ja nicht weit auseinander. Das es für solche Spiele mehr Fingerspitzengefühl braucht, ist klar. Für mich hat er aber, insb. den Argentiniern, zu viel durchgehen lassen. Und ich bin mir sicher, dass es auch die Argentinier verstanden hätten (zumal man in der Pause – die ja lange genug war – beide Seiten nochmals mit einer klaren Ansage hätte disziplinieren können). Auch Ihnen alles Gute!
Herr Fuchs, ich muss ihnen in der Sichtweise mit Argentiniens widersprechen. Die hätten auch in einer einstündigen Halbzeitpause nichts begriffen. Höhepunkt des Finales ist, dass Argentinien Protest gegen die Spielleitung von Schiedsrichter Vincic wegen krasser Benachteiligung mit einer unberechtigten Gelb-Roten Karte eingelegt hat. Ja geht es denn noch? Die sind nicht belehrbar und haben alle Unsportlichkeiten begangen. Ein zweiter Platz bei einer WM entspricht einer nationalen Tragödie für das Land. Deutschland wäre froh, wenn man nur in die Nähe des Finales gekommen wäre.
Ich verspreche mir durch Jürgen Klopp nicht das Allheilmittel. Unsere Spieler scheinen sich zu schämen, die Nationalhymne nur ansatzweise mitzusingen. Fast alle anderen Länder sind mit Stolz bei der Sache, was aus vollem Herzen gekommen ist. Ich habe Nagelsmann, auch wegen seiner oft hochgradigen Arroganz, von Beginn an für unfähig gehalten, das Amt des Nationaltrainers ausüben zu können.
Höhepunkt war die Reaktivierung von Neuer und die Art seines Umgangs mit Baumann. Von allen 64 WM-Torhütern hätte der in der Reaktion erheblich bedächtiger gewordene Münchener bestenfalls den 40. Platz belegt. Von neun auf das Tor gekommenen Bälle in den vier Spielen waren fünf drin – keinmal zu Null gespielt. Bei einem Gegentor ist er im Tempo einer Bahnschranke umgefallen, ein anderes Mal hat er dem haltbaren Schuss nur nachgeschaut. Nagelsmann ist gepuscht worden, auch von den Journalisten, weil der DFB mangels Auswahl geeigneter Kandidaten wahllos zugegriffen hat.
Der deutsche Fußball ist längst in die zweite Kategorie abgerutscht. Daran wird sich für lange Zeit nichts ändern. Neulich hat mir ein Journalist gesagt, mit Klopp wird Deutschland 2030 Weltmeister. Der Glaube versetzt Berge und die Hoffnung stirbt immer zuletzt. Wenn „Kloppo“ keinen Ansatz sieht, wird er nach einiger Zeit hinwerfen. Übrigens hätte auch der „liebe Onkel Rudi“ Völler als Nagelsmanns Steigbügelhalter ebenfalls zurücktreten sollen. Er hat nie eigene klare Meinung, passt sich seinem Arbeitgeber DFB an. Verdienste aus früheren Zeiten sind da längst abgegolten. Es wird immer alles schön geredet, der Erfolg bleibt gleich null.
Herr Fuchs, bleiben sie gesund und haben sie weiter viel Spaß und Freude am Fußball, zumindest bei der Eintracht. Es ist immer interessant, mit ihnen zu kommunizieren.
Ja, das soooo tolle Messi-Argentinien…absurd und unverschämt. Ihre Analyse zu den Herren Nagelsmann – inkl. Personalie Neuer (ich ergänze noch Verhalten ggü. Undav) und Völler (=DFB) unterschreibe ich 1:1! Auch bzgl. Jürgen Klopp kommt bei mir die allgemeine Euphorie nicht auf; hoffe, ich irre mich. Für mich sind die Jahre seit ungefähr 2017 verlorene Jahre auf Ebene der Nationalmannschaft. Da waren wir schon mal – dann kam Jürgen Klinsmann. Bei Leibe kein einfacher Typ. Aber er hat die bestehenden Strukturen/Mechanismen nicht nur hinterfragt, sondern auch gegen massive Wiederstände des Establishments, inkl. Presse, aufgebrochen. Darauf hoffe ich bei Jürgen Klopp. Nachdenklich stimmt mich, wie bedingungslos der DFB sich aber dem „System Klopp, ausgeliefert hat. Eigene Ideen, Reformansätze inkl. „Reformer“ etc. auf Ebene des DFB: Fehlanzeige. Fröhlich weiter mit Neuendorf, Völler, Watzke und Co.
Ich habe die Artikel auf eurer Seite immer sehr gerne gelesen. In letzter Zeit stelle ich immer häufiger fest, dass die Artikel mit KI generiert sind. Hier wurde sich ja nicht einmal die Mühe gemacht, den Anfang der Antwort zu löschen. Die Mühe meinen ersten Kommentar zu löschen, hat sich offensichtlich jemand gemacht.