Eine Entscheidung der Gerechtigkeit

Eine Entscheidung der Gerechtigkeit

20. Mai 2018 0 Von Reiner Kuhn

Mit ein paar Stunden Abstand: Eine regeltechnische Erklärung für Zwayers Entscheidung können wir nicht finden, nur eine psychologische. Er wollte einfach nicht die Sensation verhindern, durch eine Entscheidung, die er selbst anscheinend real nicht gesehen hatte. Machen wir uns nichts vor, hätte es da Elfmeter gegeben, wären die Bayern jetzt Pokalsieger. Nach dem Europa Cup-Halbfinale sagte Buffon, über den Elfmeter für Real: „Die Gerechtigkeit hätte keinen Elfmeter gegeben“, in Berlin hat Felix Zwayer Gerechtigkeit gespielt. Soviel zum Thema: Der Videobeweis macht den Fußball gerechter. 

Ja, es war leider ein Foul, der mit Strafstoß geahndet werden hätte müssen!

Für uns hat Video-Assistent Bastian Dankert eingegriffen, wenn es gefordert wurde, und somit von ihm alles richtig gemacht.

a) vor dem 2:1 für Frankfurt auf kein strafbares Handspiel zu entscheiden, war die richtige Entscheidung von Zwayer

b) bei der Strafstoßentscheidung in der Nachspielzeit: Warum da Zwayer keinen Strafstoss gab, bleibt sein Geheimnis und ist nicht dem Video-Assistent anzulasten, denn er hat ihm gesagt „Schau es Dir bitte nochmal an“.

Zum Handspiel: Kein Handspiel von Boateng. Zunächst mal ist zu berücksichtigen, dass der Ball vom Fuß an seine Hand prallt, wodurch klar ein Eingriff in die Flugbahn des Balls stattfand. Dies spricht schonmal gegen eine Strafbarkeit. Des weiteren hält Boateng zwar eindeutig seinen Arm von seinem Körper weg, allerdings geschieht dies hier unmittelbar im Rahmen des Zweikampfs um den Ball und dient als Halten der Balance, weshalb die Armhaltung hier als natürlich zu betrachten ist. Eine minimale Bewegung der Hand zum Ball liegt zwar vor, allerdings sprechen hier am Ende mehr Argumente gegen die Strafbarkeit dieses klaren Handspiels, weshalb das anschließende Tor der Eintracht völlig regelkonform erzielt wurde

Zum Foul: Kevin-Prince Boateng senste im Strafraum Bayerns Javi Martìnez um. Der Aufschrei war groß. Video-Assistent Bastian Dankert funkte Felix Zwayer an. Dieser schaute sich das ganze in der Review Area an. Doch warum auch immer gab er dann nur Eckstoß. Dicke Fehlentscheidung von Zwayer. Hier liegt ein klares Vergehen vor. Hier ist die Spielminute und das Match vollkommen egal. Auch 10 Sekunden vor Ablauf der Nachspielzeit hätte es zwingend Strafstoß geben müssen. Boatengs Intention ist zwar eindeutig, den Ball zu spielen, allerdings spielt die Absicht im Regelwerk nur in Bezug auf das Handspiel eine Rolle. Da Boateng hier Martinez klar am linken Fuß trifft und ihn dadurch zu Fall bringt, hätte es einen Strafstoß geben müssen.

Vorteils-Theorie

Für einige war eine mögliche Rechtfertigung, den Strafstoß nicht zu geben, weil  Wagner direkt anschließend ungehindert zum Abschluss gekommen ist, und deshalb eine Vorteils-Situation vorgelegen haben könnte. Der Vorteil hat aber keine Relevanz. Leider Strafstoß und eine Fehlentscheidung.

Herzlichen Glückwunsch Eintracht Frankfurt zum verdienten Pokalsieg!

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