Wagner: „Es wird weiter Streitfälle geben“

Wagner: „Es wird weiter Streitfälle geben“

19. Juni 2019 0 Von IG Schiedsrichter
DFB-Lehrwart Lutz Wagner kommentiert die neuen Fußballregeln

Ab dem 1. Juli gelten auch in Deutschland die neuen Regeln. In Sachen Handspiel sind die Veränderungen gravierend. DFB-Lehrwart Lutz Wagner erklärt, warum aber auch zukünftig diskutiert werden wird.

Die International Football Assocation Board (IFAB) und der Fußball-Weltverband FIFA hat auf seiner Tagung Anfang März umfangreiche Regeländerungen beschlossen, die ab dem 1. Juni eingeführt werden. Besonders die in Deutschland häufig stark kritisierte Handspielregel wurde von den beiden Gremien einer umfassenden Reform unterzogen. Diese Innovation ist sehr wichtig für den Fußball, auch viele weitere werden im Alltag schnell spürbar und zu sehen sein.

Regel 3 – Spieler:
Ein Spieler, der ausgewechselt wird, muss das Spielfeld am nächstgelegenen Punkt der Spielfeldbegrenzung verlassen, außer der Schiedsrichter gibt ihm eine andere Anweisungen.

Wagner: „Das ist eine sehr sinnvolle Änderung, die helfen wird, das Zeitschinden zu minimieren. Oft haben sich Spieler in der Endphase einer Partie vor ihrer bereits angezeigten Auswechslung weit weg von der Mittellinie, wo sie das Feld verlassen mussten, begeben und sind aufreizend langsam vom Platz gegangen, damit der Vorgang möglichst lange dauert. Es kann Ausnahmen geben, wenn der Spieler das Spielfeld schnell an der Mittellinie das Spielfeld schnell an der Mittellinie verlassen kann, auf einer Trage vom Platz getragen wird, oder seine Sicherheit gefährdet ist, weil er z.B. an der gegnerischen Fankurve vorbei muss. Der ausgewechselte Spieler muss sich umgehend in die technische Zone oder die Umkleidekabine begeben, um Konfrontationen mit Auswechselspielern, Zuschauern, Team- oder Spieloffiziellen zu verhindern. Verstößt er gegen diese Regel, kann er wegen nun sportlichen Betragens mit Gelb bestraft werden.“

Regel 4:
Unterziehshirts können mehrfarbig/gemustert sein, wenn dies dem Ärmel des Trikots genau entspricht

Regel 5 – Schiedsrichter:
Schiedsrichter können eine Spielfortsetzungsentscheidung nicht ändern nachdem das Spiel fortgesetzt wurde, aber unter gewissen Umständen noch eine persönliche Strafe für einen vorherigen Vorfall aussprechen.Wenn der Schiedsrichter das Feld für einen Onfield-Review verlässt oder um die Spieler am Ende einer Halbzeit zurückzuholen, kann eine Entscheidung danach noch geändert werden. Teamoffizielle können mit einer Gelben oder Roten Karte bestraft werden. Wenn ein Delinquent nicht ermittelt werden kann, erhält der Cheftrainer die persönliche Strafe. Liste der strafbaren Vergehen siehe Regel 12. Bei einem Strafstoß darf der Schütze nach einer Behandlung auf dem Platz bleiben und den Strafstoß ausführen.

Wagner: „Die Tests mit Verwarnungen und Feldverweisen für unsportliches Betragen von Teamoffiziellen, also Trainern oder Betreuern, verliefen erfolgreich und offenbarten deutliche Vorteile. Die Tatsache, dass im Zweifel der höchstrangige Trainer, also der Chef, bestraft wird, dürfte die Suche nach dem Schuldigen erleichtern. Der ideologische Hintergrund: Er ist für das Verhalten der übrigen Offiziellen verantwortlich.“

Ein verletzter Spieler darf nicht auf dem Spielfeld behandelt werden(…). Ausnahmen von der Verpflichtung zum Verlassen des Spielfelds bestehen nur, wenn ein Strafstoß verhängt wurde und der verletzte Spieler der Schütze ist.

Wagner: „Das ist im Sinne des Fair-Play-Gedanken. Bisher konnte auch ein als sicherer Schütze bekannter Spieler den Strafstoß nicht ausführen, weil er das Spielfeld für eine Behandlung verlassen musste und es erst nach der Spielfortsetzung, in diesem Fall dem Strafstoß, wieder betreten durfte.“

Regel 7:
Unterscheidung zwischen Trinkpause (<60 Sekunden) und Abkühlungspause (90-180 Sekunden).

Regel 8 – Beginn und Fortsetzung des Spiels:
Die Mannschaft, die die Seitenwahl gewinnt, darf wählen, den Anstoß auszuführen.

Wagner: „Durch die Regeländerungen der vorigen Jahre ist der Anstoß dynamischer geworden, z.B. kann mit dem Anstoß direkt ein Tor erzielt werden. Dem wird gerecht, dass der Spielführer, der den Anstoß entscheiden darf und nicht automatisch Platzwahl hat. Das gegnerische Team darf dann wählen, auf welches Tor es in der ersten Halbzeit spielt:“

Schiedsrichter-Ball: Der Ball erfolgt mit dem Torwart des verteidigenden Teams in dessen Strafraum, wenn zum Zeitpunkt der Unterbrechung:

  • der Ball im Strafraum war oder
  • die letzte Ballberührung im Strafraum erfolgte

In allen anderen Fällen erfolgt der Schiedsrichterball mit einem Spieler des Teams, das den Ball zuletzt von einem Spieler oder von einem Spieloffiziellen berührt wurde. Alle anderen Spieler (beider Teams) müssen einen Abstand von mindestens vier Metern zum Ball einhalten, bis der Ball im Spiel ist.

Wagner: „Das bisherige Verfahren bei Schiedsrichterbällen führt oft zu „künstlichen“ und unlauteren Spielfortsetzungen (z.B. indem ein Einwurf tief in der eigenen Hälfte verursacht wurde) oder zu Konfrontationen. Der Schiedsrichterball erfolgt nun mit einem Spieler des Teams, das den Ball zuletzt berührt hat bzw. in Ballbesitz war. Damit soll der Vorteil, der vor der Unterbrechung bestand, wiederhergestellt werden.“

Regel 9 – Ball in und aus dem Spiel:
Schiedsrichterball, wenn der Ball den Schiedsrichter (oder andere Gespannsmitglieder) berührt und ins Tor geht oder die Berührung für einen Wechsel des Ballbesitzes sorgt oder einen Angriff einleitet.

Wagner: „Dass ein Team einen Vorteil erlangt oder gar ein Tor erzielt, nachdem der Ball versehentlich von einem Mitglied des Schiedsrichterteams berührt wurde, wird jetzt ausgeschlossen. Das langjährige geflügelte Wort „Der Schiedsrichter ist Luft“ gilt in diesen Fällen nicht mehr.“

Regel 10:
Torhüter können durch Werfen kein Tor erzielen.

Regel 12 – Fouls und unsportliches Betragen:

  • Neuformulierung des Textes zum Handspiel für mehr Klarheit/Konsistenz mit klaren Richtlinien, wann „unabsichtliches“ Handspiel bestraft werden soll (und wann nicht).
  • „Illegale“ Handspiele von Torhütern im eigenen Strafraum werden nie mit einer Gelben oder Roten Karte geahndet.
  • Wenn der Torwart nach einem Einwurf oder absichtlichen Rückpass klar versucht den Ball zurück ins Spiel zu schießen und dabei scheitert, darf er ihn danach in die Hand nehmen.
  • Der Schiedsrichter kann das Aussprechen einer persönlichen Strafe bis zur nächsten Unterbrechung verzögern, wenn ein schneller Freistoß ausgeführt wird und zu einer Torchance führt.
  • Die Gelbe Karte für illegalen Torjubel bleibt bestehen, wenn das Tor aberkannt wird.
  • Liste von Vergehen, die zu persönlichen Strafen für Team-Offizielle führen (siehe Regel 5)
  • Alle verbalen Vergehen werden mit einem indirekten Freistoß bestraft. Ein Objekt zu treten wird genauso bestraft wie es zu werfen.

Wagner: Die entsprechende Umformulierung wurde nach den folgenden Grundsätzen vorgenommen:

  • Der Fußball akzeptiert kein Tor, welches mit Hand/dem Arm erzielt wurde.
  • Der Fußball erwartet, dass ein Spieler für ein Handspiel bestraft wird, wenn er Ballbesitz/Ballkonrolle erlangt und daraus schließlich ein Tor oder eine klare Torchance entsteht.
  • Es ist natürlich, dass ein Spieler den Arm beim Fallen zwischen Körper und Boden hält, um sich abzustützen.
  • Wenn die Hand/der Arm über der Schulter ist, liegt selten eine natürliche Körperhaltung vor, und der Spieler trägt mit dieser Position des Arms/der Hand das Risiko – auch beim Tackling.

Insgesamt sind nun mehrere Fälle explizit beschrieben und eindeutig erklärt. Ein mit der Hand erzieltes Tor zählt generell nicht – die Frage nach der Absicht stellt sich in diesem Fall also nicht. Auch ist es bis auf wenige Ausnahmen strafwürdig, wenn sich der vom Ball getroffene Arm oberhalb der Schulter befindet. Das alles sind Paramater, die für alle Beteiligten nachvollziehbar sind. Die Grauzone und der Ermessensspielraum für die Spchiedsrichter sind zwar durch die detaillierten Beispiele bei einigen Handspielen kleiner geworden. Es wird in Zukunft dennoch weiterhin Streitfälle geben, die Diskussionen werden also bleichen.“

Für den Torhüter gelten beim Handspiel außerhalb des eigenen Strafraums die gleichen Regeln wie für alle übrigen Spieler. Innerhalb des Strafraums kann der Torhüter für kein Handspiel, das mit einem direkten Freistoß oder einer entsprechenden Strafe geahndet wird, bestraft werden, sondern nur für ein Handspiel , das einen indirekten Freistoß zur Folge hat. Berührt der Torhüter den Ball unerlaubterweise innerhalb des eigenen Strafraums mit der Hand/dem Arm, wird ein indirekter Freistoß, aber keine Disziplinarmaßnahme verhängt.

Ein indirekter Freistoß wird gegeben, wenn ein Torhüter innerhalb des eigenen Strafraums den Ball:

  • mit der Hand/dem Arm berührt, nachdem er den Ball freigegeben hat und bevor dieser von einem anderen Spieler berührt wurde.
  • mit der Hand/den Arm berührt; es sei denn, er hat den Ball nach einem absichtlichen Zuspiel eines Mitspielers mit dem Fuß zum Torhüter oder einem direkt zugespielten Einwurf eines Mitspielers bei einem Klärungsversuch eindeutig mit dem Fuß gespielt oder zu spielen versucht.

Wagner: „Wenn der Torhüter zukünftig nach einem Zuspiel mit dem Fu0 oder einem Einwurf eines Mitspielers den Ball eindeutig spielt oder zu spielen versucht, ist dies kein Vergehen, da keine Absicht bestand, den Ball in die Hand zu nehmen.“

Entscheidet sich der Schiedsrichter, einen Spieler zu verwarnen, oder des Feldes zu verweisen, wird das Spiel erst nach Abschluss des Verfahrens für diese Disziplinarmaßnahme fortgesetzt. Es sei denn, das Team, dass das Vergehen nicht begangen hat, führt den fälligen Freistoß schnell aus und kommt so zu einer klaren Torchance, ehe der Schiedsrichter mit dem Verfahren für die Disziplinarmaßnahmen begonnen hat. In diesem Fall wird die fällige persönliche Srafe bei der nächsten Spielunterbrechung ausgesprochen.

Wagner: „Die schnelle Ausführung eines Freistoßes ist im Sinne des prinzipiellen Geistes der Regel: Eine Mannschaft, die von einer unfairen Attacke betroffen ist, soll einen möglichst großen Vorteil erhalten, und es soll dabei gefördert werden, dass Tore fallen. Die Besonderheit dabei ist, weil der Gegner den Angriff sofort fortgesetzt und die offensichtliche Torchance wiederbekommen hat. Das ist vergleichbar mit der Situation, dass der Schiedsrichter beim Vereiteln einer offensichtlichen Torchance auf Vorteil entscheidet. Auch hier gibt es die Gelbe statt der Roten Karte.“

Ein Spieler wird bei übertriebenen Torjubel verwarnt, selbst wenn das Tor aberkannt wird.

Wagner: „Die Verwarnung behält ihre Gültigkeit, das das Fehlverhalten ja weiter Bestand hat -auch wenn die Ursache eigentlich nicht mehr existent ist.“

Wirft oder tritt ein Spieler, der auf oder abseits außerhalb des Spielfelds steht, einen Gegenstand (außerhalb dem Spielball) auf bzw. gegen einen gegnerischen Gegenstand (einschließlich Balls) auf bzw. gegen einen gegnerischen Spieler, Auswechselspieler, ausgewechselten Spieler oder des Feldes verwiesenen Spieler, einen Teamoffiziellen, einen Spieloffiziellen oder den Spielball, wird das Spiel mit einem direkten Freistoß an der Stelle fortgesetzt, an der der Gegenstand die Person oder den Spielball getroffen hat oder hätte treffen können.

Wagner: „Das Treten eines Gegenstandards wird nun also genauso behandelt wie das Werfen eines Gegenstands.“

Regel 13 – Freistöße:
Nach der Ausführung eines indirekten Freistoßes kann der Schiedsrichter die Hand herunternehmen, wenn es klar ist, dass kein Tor direkt erzielt werden kann. Bei Freistößen der verteidigenden Mannschaft im eigenen Strafraum ist der Ball im Spiel, sobald er sich klar bewegt. Er muss nicht erst den Strafraum verlassen. Wenn es eine „Mauer“ mit mindestens drei Spielern gibt, müssen alle angreifenden Spieler mindestens einen Meter Abstand zur „Mauer“ einhalten; sonst gibt es einen indirekten Freistoß.

Wagner: „Eine sinnvolle Neuerung. Tests haben gezeigt, dass das Spiel schneller und flüssiger wird, wenn der Ball bei einem Freistoß im eigenen Strafraum nicht erst im Spiel ist, wenn er den Strafraum verlassen hat. Diese Änderung wurde auch beim Abstoß vorgenommen.“ (siehe Regel 16)

Bilden drei oder mehrere Spieler des verteidigenden Teams eine Mauer, müssen alle Spieler des angreifenden Teams einen Anstand von mindestens einem Meter zur Mauer einhalten, bis der Ball im Spiel ist. Wenn ein Spieler des angreifenden Teams diesen Abstand diesen Abstand bei der Ausführung icht einhält, wird ein indirekter Freistoß verhängt.

Wagner: „Das meist unfaire Geschiebe und Gezerre bei der Bildung einer Mauer – die regeltechnisch erst ab drei verteidigenden Spielern als solche gilt-, wird hiermit verhindert. Das fördert die schnellere Ausführung eines Freistoßes und macht es den Schiedsrichtern leichter.“

Regel 14 – Strafstoß:

Pfosten, Latte und Netz dürfen sich bei der Ausführung eines Strafstoßes nicht bewegen und der Torwart darf sie nicht berühren. Der Torwart muss mindestens einen Teil des Fußes auf oder über der Torlinie haben, wenn der Strafstoß ausgeführt wird. Er darf auch nicht hinter der Linie stehen.Bei einem Vergehen nach der Freigabe aber vor der Ausführung des Strafstoßes darf der Strafstoß erst nach der Aussprache der persönlichen Strafen ausgeführt werden.

Wagner: „Da der Schütze den Anlauf verzögern kann, ist es vertretbar, dass der Torhüter in Erwartung des Schusses einen Schritt machen darf und mit einem Fuß auf der Linie bleiben muss, bis er ausgeführt ist.“

Dazu kommentiert Lutz Wagner: „Streng nach Regelwerk ist dies eine Pflichtverwarnung, wenn der Torwart mit beiden Beinen die Linie verlässt, weil er sich ja dadurch scheinbar einen Vorteil gegenüber dem Angreifer verschafft. Bei den Turnieren, wird das alles ganz pingelig und exakt vorgegeben. Das lässt dann im Laufe der Saison von allein wieder nach. Da ist von den Beobachtern auch der gesunde Menschenverstand mit dem Blick auf das Wesentliche und für das Offensichtliche gefragt.“

Regel 15 – Einwurf:
Gegenspieler müssen mindestens zwei Meter von dem Punkt der Seitenlinie entfernt sein, wo der Einwurf ausgeführt wird, auch wenn der Einwerfer dahinter steht.

Wagner: „Damit wird dem Umstand Rechnung getragen, dass Spieler den Einwurf nicht immer direkt an der Seitenlinie ausführen, sondern oft ein Stück entfernt. Die geforderten zwei Meter Abstand werden also nicht zwischen den beiden Spielern gemessen, sondern von der Seitenlinie.“

Regel 16 – Abstoß:
Bei Abstößen ist der Ball im Spiel, wenn er mit dem Fuß gespielt wurde und sich eindeutig bewegt. Er muss nicht erst den Strafraum verlassen. Wenn ein Gegner, der sich bei der Ausführung des Abstoßes im Strafraum befindet, den Ball berührt oder einen Zweikampf um den Ball beginnt, wird der Abstoß wiederholt. Wenn sich bei der Ausführung eines Abstoßes noch Gegner im Strafraum befinden, weil sie keine Zeit mehr hatten, den Strafraum zu verlassen, lässt der Schiedsrichter weiterspielen.

Wagner: „Siehe Regel 13. Gegnerische Spieler müssen aber den Strafraum weiter vor dem Abstoß verlassen, es sei denn, sie bleiben passiv.“

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