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Hradecky verzweifelt an neuer DFB-Richtlinie

Während die Stuttgarter sich verdient im Abstiegskracher gegen den VfL Bochum durchsetzen konnten, trennten sich Wolfsburg und Gladbach 2:2 Unentschieden. In Frankfurt konnte die Eintracht sich deutlich gegen Bayer 04 Leverkusen auch dank zweier Elfmeter durchsetzen. Beim ersten Strafstoß pariert Hradecky zunächst, doch der Strafstoß wurde nach VAR-Eingriff wiederholt. 

VfB Stuttgart – VfL Bochum 4:1

FIFA-Schiedsrichter Christian Dingert aus Gries leitete den Abstiegskracher in Stuttgart. Ihm assistierten wie gewohnt Benedikt Kempkes und Timo Gerach. Vierter Offizieller war der FIFA-Assistent Rafael Foltyn. In Köln saßen als Videoassistent Dr. Felix Brych mit Thorsten Schiffner.

Das Schiedsrichterteam um Christian Dingert war direkt in der dritten Minuten gefordert, als Silas in den Bochumer Strafraum eindrang und drei Gegenspieler aussteigen ließ. Der dritte Bochumer Soares ließ schließlich im eigenen Strafraum den Fuß stehen und traf den Stuttgarter so am Schienbein. Ein regelwidriges Beinstellen, welches Dingert korrekt mit einem Strafstoß für den VfB ahndete. Der foulte Silas trat selbst an und verwandelte ins linke Eck zur frühen Führung für die Gastgeber.

Eintracht Frankfurt – Bayer 04 Leverkusen 5:1 (SR: Frank Willenborg)

In der zehnten Minute kam der Frankfurter Kamada im gegnerischen Strafraum nach einem Kontakt mit Aranguiz zu Fall. Schiedsrichter Willenborgs Pfeife blieb stumm und das zurecht. Klar spielt der Leverkusener Defensivspieler hier auch nicht den Ball, dennoch ist das Einsteigen normal und fußballtypisch. Die Beschreibung „zu wenig für einen Elfmeter“ trifft es wohl am besten.

Doch noch in der ersten Halbzeit zeigte Willenborg auf den Punkt und das vollkommend zurecht. Der Frankfurter Lindström ging im Dribbling an Tapsoba vorbei. Der Leverkusener ging mit dem Fuß Richtung Ball doch traf nur den Gegenspieler am Bein. Somit korrekt hier von Willenborg auf den Punkt zu zeigen. Diskutabel ist nur die Verwarnung für Tapsoba. Denn das Foul selber ist nicht gelbwürdig. Da es sich um ein ballorientiertes Vergehen im eigenen Strafraum handelt, müsste eine klare Torchance für eine Verwarnung vorliegen. Daran habe ich hier ehrlich gesagt Zweifel. Vermutlich hätte sich Willenborg diese Verwarnung regeltechnisch besser gespart.

Kolo Muani trat für die Eintracht zum Elfmeter an und verschoss! Bayers Schlussmann Lukas Hradecky parierte den mittelmäßig bis schwach geschossenen Strafstoß. Die Defensive konnte den Ball im Anschluss auch klären. Doch die Szene ist hiermit noch nicht vorbei. Denn Videoassistent Robert Schröder hatte etwas auszusetzen. Hradecky befand sich nämlich zum Zeitpunkt des Schusses (und auch schon davor) mit beiden Beinen vor der Torlinie, was nicht erlaubt ist. In der Vergangenheit hat das der DFB in seiner vorgegebenen Linie nicht ganz so genau genommen, mittlerweile wird aber auch vom DFB die internationale „Null-Toleranz“ Linie vorgegeben (was vor einigen Wochen auch an die Vereine offen kommuniziert wurde). Somit ist der Eingriff korrekt und der Strafstoß wurde zurecht wiederholt. Kamada machte es besser als sein Teamkollege und verwandelte den zweiten Versuch zur 1:0-Führung. Einziger Kritikpunkt in dieser Szene ist für mich, dass Assistent Arne Aarnink auf der Torlinie steht und es offensichtlich nicht erkannt hat oder seinem Schiedsrichter nicht sofort gemeldet hat. Ich finde hier kann der Assistent auf dem Platz durchaus aktiv werden. Der Abstand zur Linie war deutlich als so manch eine Abseitsposition, die die Linienrichter in der Bundesliga meistens korrekt bewerten.

Die Eintracht war in der zweiten Halbzeit das bestimmende Team und Bayer Leverkusen konnte sich in der 68. Minute wieder nur durch ein hartes Takling von Hincapie im eigenen Strafraum gegen Kolo Muani retten. Das dachte sich offensichtlich Schiedsrichter Willenborg auf dem Feld, als er zunächst weiterspielen ließ, dann aber von VA Schröder einen Hinweis bekam und zum Monitor ging. Dort war klar, dass Hincapie zuerst den Mann traf und erst deutlich danach den Ball. Diesen hätte er ohne das Fällen des Gegenspielers vermutlich überhaupt nicht getroffen. Strafstoß und Gelb ist hier die richtige Entscheidung. Für den Leverkusener Verteidiger war es die zweite in dieser Partie, somit folg er folgerichtig vom Platz.

Anders als beim ersten Strafstoß sehe ich hier schon eine klare Torchance. Die Ballkontrolle war bei Kolo Muani gegeben, die Schussposition deutlich besser als noch bei Lindström. Die Verhinderung einer klaren Torchance durch ein ballorientiertes Vergehen im eigenen Strafraum gibt Gelb. Außerdem lässt sich hier auch aufgrund der höheren Intensität mit einem rücksichtslosen Foul die gelbe Karte hier rechtfertig.

VfL Wolfsburg – Borussia Mönchengladbach 2:2 (SR: Benjamin Cortus)

Auch wenn die Szene letztlich nicht spielrelevant wurde, ist das von Cortus gepfiffene „Foul“ an Thuram vor dem Wolfsburger Strafraum nennenswert. Denn der Gladbacher wollte mit viel Tempo vorbei an Paulo Otavio in den Wolfsburger Strafraum eindringen. Sein Gegenspieler blieb aber stehen, sodass Thuram diesen auf den Fuß stieg und sich dann fallen ließ. Cortus entschied zum Leidwesen der VfL-Spieler auf Freistoß und Gelb für Otavio, dabei wäre indirekter Freistoß (oder direkt, wenn man den Kontakt am Fuß als Vergehen auslegt) und Gelb für Thuram die richtige Entscheidung gewesen. Thuram wird hier sicher nicht gefoult, er will einfach den Freistoß schinden, nachdem er den Kontakt unter seinem Fuß spürt. Die Szene wird danach noch relevant, weil der Freistoß für die Wolfsburger echt gefährlich war und es im Anschluss zu einem weiteren Zweikampf zwischen Arnold und Thuram im Wolfsburger Strafraum kam. Cortus entschied auf Eckball und das war korrekt. Denn Arnold spielte hier den Ball und auch wenn er davor leicht seinen Gegenspieler streift, ist das kein Foulspiel. Daraufhin ging Stindl Arnold an, weshalb es zu einer kurzen Rudelbildung und zwei weiteren gelben Karten kam. Alles entstanden nach und sicherlich teilweise auch wegen des ersten unglücklichen Pfiffs von Cortus.

SV Werder Bremen – 1. FSV Mainz 05 0:2 (SR: Robert Hartmann)

In dieser Partie gab es keine spielentscheidenden und strittigen Schiedsrichter-Entscheidungen.

Fazit: Dingert und Willenborg konnten in Stuttgart und Frankfurt überzeugen. Einziger Kritikpunkt bei Willenborg sind die zwei Eingriffe des Videoassistenten, am Ende stand aber immer die richtige Entscheidung. Auch Benjamin Cortus wurde in Wolfsburger gefordert, wenn er auch teilweise etwas unglücklich und vor allem aus seiner Sicht unklug agierte. Von Hartmann war und er Konferenz wenig zu sehen, was sicherlich kein schlechter Zeichen ist.

Simon Schmidt

Sportjournalist Simon Schmidt aus Bayern stieg 2020 bei IG Schiedsrichter ein und übernimmt dort die wöchentliche Kolumne zur 1. Bundesliga und den Video-Assistenten. Seither ist er Mitglied des Kompetenzteams. In seiner Freizeit engagiert er sich als Fußball-Schiedsrichter und ist leidenschaftlicher Fußball-, Formel 1- sowie Technik-Fan.

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