Das Thema Schiedsrichtersoll bleibt im Brandenburger Amateurfußball ein Dauerstreit. Wie die „Märkische Allgemeine“ berichtet, werden im Fußballkreis Oberhavel/Barnim erneut Vereine wegen fehlender Schiedsrichter bestraft. Zwei Clubs müssen mit einem Punktabzug in die Saison 2026/27 starten, weitere Vereine wurden mit Geldstrafen belegt.
Besonders hart trifft es erneut die Falkenthaler Füchse. Der Kreisoberligist startet mit drei Minuspunkten in die Saison. Bereits im Vorjahr hatte der Verein wegen der Nichterfüllung des Schiedsrichtersolls sechs Punkte abgezogen bekommen. Hinzu kommt diesmal eine Geldstrafe im dreistelligen Bereich.
Vereinsvorsitzender Alexander Presch sieht die Strafe dennoch vergleichsweise moderat. Der Verein hätte vier Schiedsrichter stellen müssen, konnte aber lediglich zwei aufbieten. Gleichzeitig habe der Verband anerkannt, dass sich die Füchse um eine Verbesserung bemüht hätten. Inzwischen wurden mehrere Teilnehmer zu Schiedsrichter-Lehrgängen geschickt und ehemalige Unparteiische reaktiviert. Für das aktuelle Schiedsrichtersoll kommen diese allerdings erst in der kommenden Saison zum Tragen.
Auch der SV Friedrichsthal muss mit drei Punkten Abzug rechnen. Das Urteil ist dort allerdings noch nicht rechtskräftig. Der Verein hatte unter anderem darauf verwiesen, dass sich ein Schiedsrichter während der Saison verletzt hatte. Trotzdem griff der Verband durch.
Inzwischen konnte auch Friedrichsthal reagieren. Zwei neue Schiedsrichter wurden ausgebildet, zudem kam ein weiterer Unparteiischer aus Berlin hinzu. Für den Verein ist der Punktabzug vor allem psychologisch schwierig – gleichzeitig soll er Ansporn sein, den Rückstand schnell wieder aufzuholen.
Viele weitere Vereine betroffen
Neben den beiden Punktabzügen wurden im Fußballkreis Oberhavel/Barnim nach MAZ-Informationen zehn weitere Vereine mit Geldstrafen belegt. Die Strafen liegen im mittleren bis hohen dreistelligen Bereich. Hinzu kommen acht Vereine aus dem Kreis, die auf Landesebene spielen und ebenfalls zahlen müssen. Punktabzüge für diese Mannschaften gibt es nach den vorliegenden Informationen nicht.
Der FLB hatte nach der großen Strafenwelle der vergangenen Saison reagiert. Der Sanktionskatalog wurde für die neue Spielzeit verändert. Unter anderem sollen Punktabzüge künftig erst nach einer länger andauernden Nichterfüllung des Schiedsrichtersolls greifen. Für neu ausgebildete Schiedsrichter wurde zudem die Zahl der notwendigen Einsätze im ersten Jahr reduziert.
Die grundlegende Frage bleibt jedoch bestehen: Kann man den Schiedsrichtermangel mit Strafen bekämpfen?
Genau hier liegt der Kern des Problems. Vereine müssen Schiedsrichter finden, ausbilden und anschließend dafür sorgen, dass diese auch die geforderten Spiele leiten. Gleichzeitig stehen viele Clubs vor denselben Schwierigkeiten: Nachwuchs fehlt, Ehrenamtliche werden weniger und ausgebildete Schiedsrichter hören wieder auf.
Hinzu kommt ein Wettbewerb zwischen den Vereinen um die wenigen verfügbaren Unparteiischen. Auch bei den Falkenthaler Füchsen wird inzwischen von einem regelrechten „Wettbieten“ um Schiedsrichter berichtet.
Damit stellt sich eine grundsätzliche Frage an Verband und Kreise: Sind Geld- und Punktstrafen tatsächlich ein wirksames Mittel, um neue Schiedsrichter zu gewinnen – oder bestrafen sie letztlich Vereine für ein Problem, das der gesamte Amateurfußball hat?
Der FLB sieht die Entwicklung trotz der aktuellen Strafen grundsätzlich positiver. Nach Verbandsangaben ist die Zahl der neu ausgebildeten Schiedsrichter zuletzt deutlich gestiegen. Gleichzeitig wurden die Regeln angepasst, um die Sanktionen moderater zu gestalten und extreme Folgen wie einen drohenden Zwangsabstieg zu vermeiden.
Das Problem ist damit allerdings nicht gelöst. Die neue Saison zeigt vielmehr: Das Schiedsrichtersoll bleibt ein Konfliktfeld zwischen Verband, Kreisen und Vereinen.
