Ein Strafstoß sollte klar sein

Ein Strafstoß sollte klar sein

26. November 2020 0 Von IG Schiedsrichter

(red/ss) Sowohl in der Bundesliga als auch in internationalen Wettbewerben kommt zu immer mehr Strafstößen. Dabei fällt auf, dass oftmals schon leichte Kontakte mit der härtesten Spielstrafe dem Elfmeter geahndet werden. Im englischen wird das gerne als „Soft-Penalty“ bezeichnet. Aber will man die überhaupt haben? Und wie soll der VAR damit umgehen? Das haben wir DFB-Lehrwart Lutz Wagner und einen FIFA-Schiedsrichter gefragt.

In dieser Bundesliga-Saison kam es zu überdurchschnittlich vielen Strafstößen, besonders deutlich wurde das am 7. Spieltag als 10 Elfmeter an einem Spieltag (bei 9 Partien) verhängt wurden. Auch in der Champions League kam es am Dienstag bei der Partie Paris gegen RB Leipzig zu einem „Kann-Elfmeter“, der letztendlich die Partie entschied. Julian Nagelsmann wetterte: „Der Elfmeter war ein Witz.

Bei der sehr umstrittenen Szene ging Angel di Maria in einem Zweikampf gegen Marcel Sabitzer zu Boden. Der niederländische Schiedsrichter Danny Makkelie zeigte auf den Punkt – und vom Video Assistant Referee kam kein Einwand. Der ansonsten unauffällige Neymar verwandelte zum frühen Siegtreffer (11.) der vielleicht Einfluss auf das Weiterkommen des Klubs haben wird.

So etwas auf Champions-League-Niveau – das ist schon echt traurig“, wetterte Nagelsmann: „Das war eine klare Schwalbe, es gab null Kontakt.“ Oft würden eben Nuancen entscheiden „und heute war die Nuance der Schiedsrichter“.

Nicht umsonst gibt es unter Schiedsrichter die ungeschriebene Regel: „ein Elfmeter muss eindeutig sein„. Patrick Ittrich sagte nach seiner aufregenden Partie, wo sich die Schalker aufregten, dass es für ihn nur 100 Prozent-Elfmeter gibt. Auch Lutz Wagner betonte den Stellenwert des Strafstoßes und stellt klar, dass dieser nur verhängt werden solle, wenn sich die Schiedsrichter absolut sicher seien. Konkret äußerte er sich zum strittigen Strafstoß in der Champions League-Partie wie folgt:

Nicht jeder Kontakt ist strafbar, es müssen Ursache und Wirkung zusammen passen. D.h. der Kontakt muss auch verantwortlich für das zu Fall bringen sein. Die so genannten „provozierten“ Strafstöße oder auch das „Suchen des Kontakts“ will niemand.

Es ist keine Schwalbe. Der Pariser will den Elfmeter ziehen aber der Kontakt ist da. Das ist einfach ein provozierter Elfmeter, den man nicht pfeifen sollte.

Auch der polnische FIFA-Schiedsrichter Szymon Marciniak hat, auf unserer Nachfrage hin erklärt, „dass es eine sehr weiche Strafe sei und ich ihn nicht geben würde.“

Hätte dann in dieser konkreten Situation der Videoschiedsrichter sich bei Schiedsrichter Danny Makkelie melden müssen? Dazu konnte sich der DFB-Lehrwart nicht äußern, man müsste hier bei der UEFA selber nachfragen. Prinzipiell liegt aber die Eingriffsschwelle hoch, sollte der niederländische Referee einen kleinen Kontakt wahrgenommen haben.

Fazit: Hier müsste der DFB spätestens im Wintertrainingslager tätig werden und eine klarere Linie bei den Strafstößen und den daraus resultierenden VAR-Eingriffen vorgeben. Denn wie Lutz Wagner betonte, ein Strafstoß sollte klar sein.

Champions League-LateNight: Wie soft darf ein Elfmeter sein?

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