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Vorteile als Schiedsrichter

Wollen wir mal werbend die Vorteile als Schiedsrichter betrachten. Und auch gleich den Post vom DFB dazu aufnehmen.

„VORTEILE ALS SCHIEDSRICHTER

Persönliche Vorteile als Schiedsrichter

  • Die Schiedsrichter-Ausstattung (Trikot, Hose, Stutzen) wird normalerweise vom Verein gestellt
  • Die Fahrtkosten zu den Spielleitungen werden ersetzt
  • Daneben gibt es abhängig von der Spielklasse eine Aufwandsentschädigung.
  • Der Schiedsrichter-Ausweis berechtigt zum freien Eintritt für alle Spiele des Deutschen-Fußball-Bundes, dies gilt mit Einschränkungen (siehe die Durchführungsbestimmungen, § 25, Nr. 5) auch für die Bundesliga sowie die zweite Bundesliga.

Die Tätigkeit als Schiedsrichter birgt darüber hinaus viele weitere Vorteile für den Sportler: gesunde sportliche Betätigung an frischer Luft, Zugehörigkeit zu einer sportlichen Gemeinschaft mit Geselligkeit, Persönlichkeitsbildung, Entschlusskraft, Menschenkenntnis, viele schöne Reisen und viele interessante Charaktere, die man Woche für Woche neu kennenlernt – alle diese erstrebenswerten Dinge bietet das Amt des Schiedsrichters.

Berufliche Vorteile durch die Schiedsrichterei

  • Teamfähigkeit: Ein Schiedsrichter muss im Team arbeiten können, muss sich mit seinen Assistenten verstehen
  • Stressbeständigkeit: Die Schiedsrichter müssen auch in schwierigen Situationen einen „kühlen“ Kopf bewahren, um richtig zu entscheiden. Sie fungieren oft auch als Schlichter zwischen den Mannschaften
  • Präzision: Die Schiedsrichter müssen unter teilweise erschwerten Bedingungen schnell und präzise Entscheidungen treffen
  • Bescheidenheit: Der Schiedsrichter besetzt eine zentrale Position im Spiel. Doch er sollte das Spiel leiten, ohne selbst im Mittelpunkt zu stehen.
  • Selbstbewusstsein: Schiedsrichter müssen Entscheidungen treffen und zu diesen Entscheidungen stehen“.

Die IG Schiedsrichter hat ein genau so grosses Interesse daran, den Karren aus dem Dreck (dramatischer Rückgang der Schiedsrichterzahlen) zu ziehen, wie der DFB, die Verbände, jeder Verein, usw. Der Kicker, die Sportschau, das Sportstudio, BILD, um nur einige zu nennen, berichten dito gleichlautend zu dem am Boden liegenden, im Brunnen ertrinkenden, Schiedsrichterwesen. Der Post vom DFB ist bereits vom 05.04.2014. Wir datieren heute den 26.08.2022. Gravierende Änderungen sind leider nicht zu erkennen.

Zum Artikel

der im Kern ja von BILD vom 10.08.2022 ist und in der IG eine sehr grosse Resonanz erfuhr, werden sogar Vorwürfe wie Populismus, Schwurblerei oder journalistischer Unverstand vorgebracht. Und dann noch das Kommentar Argument von wegen eine Task Force „Rettet das Schiedsrichterwesen“ bräuchte niemand!

Keine Task Force. Da frage ich mich? Was brauchen wir denn um den Karren aus dem Dreck zu ziehen?

Der Post vom DFB vom 05.04.2014, Vorteile als Schiedsrichter,  allein und alle dort gelisteten Vorteile

haben den negativen Trend nicht gestoppt.

Nehmen wir doch nur mal das erste Argument: Wie wäre es, wenn da stünde, nicht normalerweise vom Verein,

sondern der jeweilige Verband stellt dem neuen Amateur Schiedsrichter in der Startsaison zum Beginn und „herzlich Willkommen!“ das erste Trikot, die Schuhe, die Uhr, Pfeife, Karten und die Tasche. Der DFB und die Verbände haben doch Geld genug.

Ein kleiner Tropfen auf den Stein. Weitere Tropfen wären definitive Zusagen zum Rechtsschutz, zur VBG Unfallversicherung, Spesen und Fahrtkosten für Beobachter und Paten, Sitzungsgeld und Fahrtkosten bei Sportgerichtsverhandlungen, pauschale Entschädigung für Sonderberichte und schon ein Wasserfall wären stringente Verschärfungen der Rechts-/ und Verfahrensordnungen in allen Verbänden zum Schutz der Schiedsrichter.

Wer einen Schiedsrichter tätlich angreift muss für mindestens drei Jahre weg vom Fenster! Ob Meisterschaft, Freundschaft oder Pokalspiele. Keine Schlupflöcher! Sperre! Keine Gnade oder Bewährung!

Dann kommen wir zum weiteren heissesten Thema, den Spesen = Aufwendungsersatz. Ja, Schiedsrichter zu sein ist ein Ehrenamt. Noch! Volle Zustimmung! Die Argumentation ist bekannt. Aber offenbar locken 19,00 oder 20.00 Euro pro Amateur Spiel keinen jungen Hund (sorry für den Vergleich) mehr hinter dem Ofen vor. Die drastisch rückläufigen Schiedsrichterzahlen sprechen Bände. Viele der älteren Kollegen schlucken das noch. Pochen auf das Ehrenamt.  Vergangenheitsdenken? Nicht mehr zeitgerecht? Das Ehrenamt ein Auslaufmodell?

Die dramatisch gesunkenen Schiedsrichterzahlen an sich sagen zwar schon was aus, aber was darin nicht berücksichtigt wird, ist die Anzahl der Spiele, welche ein Schiedsrichter pro Saison pfeift. Auch dort ist ein negativer Trend mit deutlichem Rückgang zu spüren.

Die IG Schiedsrichter hatte vor kurzem eine Abfrage zu den Spesen gemacht. Das Ergebnis war eindeutig! Spesenerhöhung! Es sollte daher mal grundlegend zu der Definition und einer Reform des Begriffes Ehrenamt Schiedsrichter nachgedacht werden. Die alten Zöpfe müssen mal endlich abgeschnitten werden. Vergangenheit ist Geschichte! Das Ehrenamt ist Geschichte!

Im Herbst 2022, dauert nicht mehr lange, wenn die Energiepreise dann mal so richtig anziehen und die Benzinpreise explodieren, dann wird wohl der Hut zum Sammeln für den Schiedsrichter rund gehen. Vereine werden über Energiekostenzahlungen jammern, können dann vermutlich Trainer, Spieler, Platzwart, Verbandsbeitrag, Kreide für den Platz, etc. nicht mehr bezahlen.

Am Ende der Fahnenstange bleibt dann der Schiedsrichter, wieder das Schlußlicht. Das offen titulierte Freiwild der Amateurliga. Eigentlich könnte man die Spesen ja auch ganz abschaffen. Schauen wir dann mal wer dann noch ehrenamtlich dabei bleibt. Oder bleibt dann noch nur der Hut für den Bettler Schiri? (das hatten wir schon mal – jeder Spieler zahlt eine DM für den Schiedsrichter).

Schiedsrichter hören auf, weil sie zu alt sind und Jahrzehnte gepfiffen haben. Oder auch weil es beruflich oder familiär bedingt zeitlich nicht mehr geht. Das ist verständlich.

Aber das Schiedsrichter aufhören, weil sie tätlich angegriffen wurden, aufhören weil sie beleidigt wurden, aufhören weil sie Strafe zahlen mussten, aufhören weil der Verband sie im Stich lässt, aufhören weil ihnen die Spesen einfach zu niedrig sind, aufhören weil die Wertschätzung und der Respekt (die Gesellschaft hat sich verändert) einfach nicht mehr vorhanden ist (Auflistung bestimmt nicht vollständig), dass sind Gründe, wo von den Verbänden und dem DFB Abhilfe geschaffen werden könnte und sollte.

Ein Streikaufruf zum 15.05.2022 war bei Funktionären, DFB und Verbänden verpönnt, obwohl prompte Reaktionen vom DFB und den Verbänden folgten, (Diskussion, war der Streik der falsche Weg ?); und auch die bundesweite Presse hat zustimmend reagiert, wie wäre es statt Pfeife an den Nagel hängen mit Dienst nach Vorschrift bei den Amateur Schiedsrichtern bis deutlich sichtbar was passiert?

Die Alternative zum Streik. Nur noch die Mindestanzahl der vom Verband vorgegebenen Spiele pro Saison pfeifen! Pfeife an den Nagel hängen? Nogo! Dabei bleiben, positive Veränderungen unter Einbringung konkreter sachgerechter Vorschläge fordern und bewirken, das ist der richtige Weg raus aus dem tiefen Brunnen!

 

 

 

 

 

Anton Dinslaken

Dipl. Kaufmann Anton Dinslaken ist neben seiner ehrenamtlichen Tätigkeit als Schiedsrichter zudem Mitglied im Bundesverband der Fachjournalisten e.V. (Bdfj).

Dieser Beitrag hat 2 Kommentare

  1. Andreas Guffart

    Ich bin seit 2005 Schiedsrichter und war dazu noch 8 Jahre im Verein unter anderem als 2. Vorstand tätig. Es müssen hier aus meiner Sicht beide Seiten angeschaut werden. Hier in BaWü bekommt der Schiedsrichter 33 Euro für ein Kreisliga Spiel plus 30 Cent für jeden gefahrenen Kilometer. Dies ist nicht gerade wenig Geld für einen Verein, wenn man bedenkt, dass bei manchen Spielen von 2. oder 3. Mannschaften so gut wie keine (zahlenden) Zuschauer am Platz sind. Wegen 30 Euro wird keiner mit der Schiedsrichterrei anfangen, dass seh ich auch so. Hier müsste herausgefunden werden, ab wann jemand bereit wäre für Geld zu pfeifen und ob die Vereine das bezahlen könnten. Diese Diskussion um Beleidigung und Aggression gegen Schiedsrichter gibt es in anderen Sportarten nicht, vielleicht sollte man da hinschauen. Sinnvoll wäre zum Beispiel bei unsportlichem Verhalten eine 10 Minuten Strafe. Gewalt gegen SR führt automatisch zum Abstieg des Vereins in dieser Saison. Überspitzt formuliert: Wenn ich mir für 30 Euro die Fresse nicht voll hauen lassen will mach ich es für 50 auch nicht.

  2. Anton Dinslaken

    Andreas Guffart. Stimme Dir zu. Es ist nicht das Geld allein. Der gesamte Rahmen hänge in Schieflage. Man sieht aber auch keine positiven Verbesserungen oder Veränderungen. Oder irgendeine Rückendeckung zum Schutz der Schiedsrichter.

    Die Spesensituation über die Verbände verteilt ist allerdings schon fragwürdig. Beim FVM für die Kreisliga = 19.00 Euro, bei Euch 33.00 Euro. Es stimmt, irgendwo muss auch der Deckel drauf sein.

    Wenn ich selbst ja nicht so begeistert für das Hobby Schiedsrichter wäre, dann hätte ich längst aufgegeben mit spitzer Zunge in die Wunden zu stechen. Das bringt mir auch nicht unbedingt Freunde. Aber ich kann halt nicht anders, kann doch nicht alles nur positiv reden. Oder wie es der Politik bekannt, warme Worte verbreiten, wenn es nicht so ist.

    Die 10 Minuten Zeitstrafe, die in NL seit Jahren im Amateurbereich gilt, die fände ich auch gut.

    Das mit den Tätlichkeiten gegen Schiedsrichter MUSS aufhören. Das ist der erste Schritt zu neuen Schiedsrichtern. Aber das Image ist mittlerweile so schlecht. Wie will man denn Neue noch begeistern? Glaube mir ich nutze jede Gelegenheit Werbung für das Schiedsrichterwesen zu machen, wenn ich wo auf dem Platz bin. Bekomme aber immer nur zwei Antworten: Spesen und Gewalt!

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