You are currently viewing Gewalt gegen Schiedsrichter

Gewalt gegen Schiedsrichter

Das auf dem Foto ist kein Boxer, nein das ist Geoffrey May, ein Amateur Schiedsrichter. Das ist die aktuelle Situation und die Bedrohungslage auf den Amateur Sportplätzen. Der Schiedsrichter ist das Freiwild der Nation. Details hier nachlesen: https://www.n-tv.de/sport/fussball/Brutalisierung-im-Amateurfussball-erreicht-neue-Qualitaet-article23533566.html

Gewalt gegen Schiedsrichter. Bedrohungslage auf dem Sportplatz. Wie kann man das für die Zukunft ändern?

Ganz einfach. Jeder Verein kann in seinem dem DFB angeschlossenen Verband einen Antrag zum Verbandstag zur Änderung der Rechts-/ und Verfahrensordnung zur Einführung stringenter Straf Verschärfungen stellen! Wer den Antrag jetzt nicht stellt, der toleriert die seit Jahren andauernde Bedrohungslage, der macht sich quasi zum Mittäter. Wegschauen und das Argument, bei uns passiert das nicht, ist der Schnee von gestern. Schon mal auf die aktuellen Schiedsrichter Zahlen geschaut?
In den Rechts-/und Verfahrensordnungen der Verbände MUSS drin stehen: Bei Tätlichkeiten gegen Schiedsrichter, (Beispiele Schlagen, Treten, Spucken Kopfstoß, Stossen) —>MINDESTSPERRE DREI JAHRE!<— bis zu 8 Jahren. Bis dato steht da meistens drin………. Sperre bis zu……….. Solche Formulierungen MÜSSEN raus, damit die Sportgerichte die Sperre auch verhängen —>MÜSSEN!<—
Bei zusätzlichem über den Platz jagen, Verfolgen bis in die Kabine, Treten auf dem Boden liegend etc. muss die Sperre noch strafverschärfend länger wie drei Jahre lauten. Bis zu 8 Jahre! Da wir ja im deutschen Recht in einem Bewährungssystem leben ist eine lebenslange Sperre rechtlich schwierig umzusetzen. Obwohl diese lebenslange Sperre bei diesen Tätlichkeiten gegen Schiedsrichter nicht nur emotional gefordert sicherlich gerechtfertig wäre.
Wenn die stringenten Strafen in den Rechts-/und Verfahrensordnungen endlich drin sind, nur dann wird es aufhören!

Drei Jahre Sperre, was heisst das? Drei Jahre Sperre heisst, gesperrt für Meisterschafts-/ Pokal-/ und Freundschaftsspiele! Keine Gnade, keine Aussetzung zur Bewährung! Drei Jahre weg vom Fenster, Schläger gehören nicht auf den Sportplatz. Und nicht wie beim Urteil gegen Germania Hilfarth aus dem Kreis Heinsberg (Platzanlage Scherpenseel), Meisterschaft gesperrt, Pokal-/ und Freundschaftsspiele nicht.

Polizei nimmt Ermittlungen auf! Was heisst das?

Ein Strafantrag (Antragsdelikt) muss innerhalb einer Frist von drei Monaten gestellt werden. Die Frist beginnt mit Ablauf des Tages, an dem der Antragsberechtigte von der Tat sowie von der Person des Täters Kenntnis erlangt hat, § 77b StGB. Antragsberechtigt ist grundsätzlich nur der durch die Tat Verletzte, § 77 StGB.

Körperverletzung ist in der Tat im Strafgesetzbuch ein Antragsdelikt (konkret der Schiedsrichter MUSS auch Anzeige erstatten) – es sei denn, die Aufklärung ist von großem öffentlichen Interesse, dann kann der Staat auch initiativ ermitteln.

Völlig klar. Auch im Strafgesetzbuch müssen Änderungen her. Zum Schutz der Schiedsrichter muss ein tätlicher Angriffe auf einen Schiedsrichter vom Antragsdelikt § 77 StGB zum Offizialdelikt hoch gestuft werden. Ähnlich als ob man einen Polizisten im Dienst angreift. Da ist neben jedem Verein oder Verband die amtierende Politik jetzt auch gefordert.

Schlupflöcher in den Rechts- / und Verfahrensordnungen. Körperverletzung eines Schiedsrichters ein Antragsdelikt. Spieler spielen weiter. Anzeigen werden nicht erstattet. Zuschauer Schläger laufen weiter über den Platz. Irgendwas ist doch offenbar am System faul?!

Unsere Funktionäre propagieren vollmundig das Gewalt im Fußballsport ein Nogo ist und es stehen in den RuVO-Vorschriften Schlupflöcher statt stringenter Mindeststrafen. Wann möchte man das ändern? Wenn nicht endlich jetzt sofort!

Was können wir Schiedsrichter selbst tun?

Schiedsrichter haben leider kein Antragsrecht beim Verbandstag. Aber jeder Verein könnte einen Antrag stellen. Der Schiedsrichter könnte die Pfeife an den Nagel hängen! Aber ist dies die Lösung? Eine Alternative zu einem Streik (bei dem Foto des Kollegen verspürt man die Lust zum Streiken) wäre ohne sichtbare Veränderungen der Dienst nach Vorschrift. Dienst nach Vorschrift bedeutet, nur noch die Anzahl der Spiele pfeifen, welche lt. Verband als Mindestzahl vorgeschrieben ist. Beim FVM wären dies mal nur 15 Spiele. Dann frei stellen. Spätestens zur Rückrunde 2022/2023 liegen dann die Spiele brach. Kein Schiedsrichter anwesend bzw. angesetzt.

Der Schiedsrichter könnte auffällige Vereine bei sich im DFBnet sperren lassen. Bei Germania Hilfarth habe ich den Verein bei mir als Schiedsrichter sperren lassen, weil der Schläger, der den Schiedsrichter geschlagen hat, partout nicht benannt wurde. In Zukunft werden wohl noch weitere Vereine bei mir gesperrt werden. Wer sich als Verein eines Schiedsrichters nicht würdig erweist, da fahren wir einfach nicht mehr hin.

Wir Schiedsrichter sollten uns das Ehrenamt (sowieso Auslaufmodell), das Hobby Schiedsrichter, welches wir freiwillig ausüben (Funktionäre mal hin hören, wir machen das freiwillig und nicht unter Pflicht!) nicht von Schlägern und von denen —>welche das untätig tolerieren<— nehmen lassen. Wir müssen uns auch endlich lautstark und solidarisch zu Wort melden.

Der Blick auf die aktuellen Schiedsrichter Zahlen beim DFB und in den Verbänden zeigt deutlich, das sich was ändern MUSS! Völlig klar, dass neue Schiedsrichter durch die Gewalt gegen Schiedsrichter abgeschreckt werden das Hobby aufzunehmen.

Wenn sich in naher Zukunft nicht stringent was ändert, bleibt dann nur der nächste Streik der Amateur Schiedsrichter.

 

Anton Dinslaken

Anton Dinslaken ist neben seiner ehrenamtlichen Tätigkeit als Schiedsrichter zudem Mitglied im Bundesverband der Fachjournalisten e.V. (Bdfj).

Dieser Beitrag hat einen Kommentar

Schreibe einen Kommentar

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.